Wirtschaft : Ein Gütesiegel für das Internet

Verbraucherministerin Künast möchte mehr Sicherheit für Kunden im Netz

Philip Volkmann-Schluck

Berlin - Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) hat ein europaweites, nicht-staatliches Gütesiegel für den Internethandel vorgeschlagen. „Die Unternehmen sollten sich selbst verpflichten, ein für alle Marktbereiche geltendes Siegel einzuführen“, sagte Künast am Freitag in Berlin während einer Tagung der „Initiative D21“. „D21“ ist eine Arbeitsgemeinschaft aus 400 Vertretern von Politik und Wirtschaft. Das Siegel solle mehr Vertrauen bei den Kunden schaffen, indem es einen sicheren Umgang mit Daten garantiere. „Ein Siegel ist nötig, um neue Märkte zu entwickeln“, sagte Künast.

Viele Experten aus der Wirtschaft halten die Einführung eines einheitlichen Sicherheits-Siegels aber für kaum durchsetzbar. „Die bereits vorhandenen Siegel sind viel zu unterschiedlich, als dass man sie zusammenfassen könnte“, sagte Roland Appel, Mitglied des Gütesiegel-Ausschusses der Initiative D21. So beschränken sich einige Anbieter bei ihren Siegeln auf Datensicherheit, andere kontrollieren, ob Internet-Händler Liefertermine oder Umtauschrechte einhalten.

Allein unter dem Dach der Initiative D21, die vor Jahren einen festen Qualitätskatalog für E-Siegel erarbeitet hat, haben sich vier Anbieter von Gütesiegeln zusammengeschlossen. Sie finanzieren sich über Gebühren, die sie gegenüber den Betreibern von Online-Shops erheben. Außerhalb der bei „D21“ vertretenen Unternehmen vergeben noch zahlreiche andere Stellen Gütesiegel, zum Beispiel Computerzeitschriften.

Stefan Spiegel vom „TÜV“-Gütesiegel“ befürchtet, dass ein einheitliches Gütesiegel zu einer schlechteren Qualität der Kontrolle führt, weil dann kein Konkurrenzverhältnis mehr bestehe. „Die Leistung und die Preise der Anbieter sind heute sehr unterschiedlich“, sagte er.

Verbraucherschützer sehen Politik und Wirtschaft gleichermaßen in der Pflicht: „Wir brauchen einen gesetzlichen Rahmen, durch den Verbraucher sicher im Internet agieren können“, fordert Patrick von Braunmühl vomBundesverband der Verbraucherzentralen. So solle die Versendung von unerwünschten E–Mails zur Straftat werden und Internet-Händlern die Verwendung von Kundendaten zu Marketing-Zwecken nur nach einer ausdrücklichen Zustimmung gestattet sein.

Ein staatliches Siegel wird es aber zunächst nicht geben. „Wir hoffen, dass die Initiative D21 in den kommenden Jahren ein möglichst einheitliches Siegel ins Leben ruft. Erst wenn das nicht klappt, kommt ein staatliches Siegel in Frage“, sagte Manfred Zöllmer, SPD-Sprecher für Verbraucherschutz. Obwohl immer mehr Menschen über das Internet einkaufen, bleibt ein erhebliches Misstrauen gegenüber dem elektronischen Handel bestehen. Das ergab eine aktuelle Studie, für die 1000 Internet-Benutzer im Auftrag der Initiative D21 befragt wurden.

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