Ein Handschuh, der verbindet : Wie aus Vielfalt Innovationen werden

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Bei der Telekom hat Vielfalt die Form eines schwarzen Handschuhs, auf dem kleine Silberplättchen angebracht sind. Er hilft Menschen, die gleichzeitig blind und taub sind, mit anderen zu kommunizieren. Die Plättchen funktionieren wie eine Tastatur, jedes steht für einen Buchstaben. Indem der Behinderte sie berührt, kann er einen Text schreiben, der als SMS oder E-Mai versendet wird. Texte empfangen kann er über ähnliche Sensoren auf dem Handrücken.

Die Technik ist eine Erfindung der Forschungsgruppe Design Research Lab, die 2005 von den Telekom Innovation Laboratories und der TU Berlin gegründet wurde. Der Handschuh könne auch in anderen Bereichen eingesetzt werden, sagt Designforscher Tom Bieling. Während des Workshops zum Thema „Mensch“ beim Diversity-Kongress des Tagesspiegels erklärt der Forscher am Beispiel des „Mobile Lorm Glove“, wie Vielfalt Innovationen hervorbringen kann.

„Man sollte eine Behinderung nicht als Schwäche auffassen, sondern als etwas, aus dem man lernen kann“, erklärt Bieling. So könne der Handschuh zum Beispiel auch Fabrikarbeitern helfen, die in einer lauten Werkshalle arbeiten. Statt oder zusätzlich zur Sirene könnten sie sich über die Impulse im Arbeitshandschuhe gegenseitig vor Gefahren warnen. Der Handschuh könnte auch Bühnenarbeitern helfen, die sich während einer Theatervorstellung nichts laut zurufen können. So gesehen bringe Vielfalt auch neue Technologien hervor. Deshalb sollte man sie „nicht nur fördern, weil es politisch korrekt ist“, sagt Bieling, „sondern weil es wirtschaftlich sinnvoll ist.“

Sein Vortrag soll den Besuchern des Diversity-Kongresses einen Impuls geben, darüber nachzudenken, was Vielfalt in ihrem Unternehmen bedeuten kann. In kleinen Gruppen sollen sie sich an diesem Mittag eine Problemstellung suchen und überlegen, wer aus ihrem Umfeld ihnen bei der Lösung helfen kann. Eine der Teilnehmerinnen, die sich im Seminarraum um die Stehtische gruppieren, ist Esra Erdinc. Auf den Zettel vor ihr hat die gebürtige Türkin „Ethnomarketing“ geschrieben. Die 23-Jährige arbeitet im Berliner Büro des Mineralölkonzerns BP. Im Rahmen des Workshops überlegt sie, wie man mit Werbung für Motoröle am Besten Türken ansprechen und so neue Kunden gewinnen kann. „Man könnte zum Beispiel die türkischen Mitarbeiter mit einbinden, die in der Zentrale in Bochum arbeiten“, sagt die 23-Jährige, „und sie fragen, welche Art der Werbung sie am ehesten ansprechen würde.“ Auch das bedeute Vielfalt. Carla Neuhaus

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