Wirtschaft : Ein heißer Dax-Sommer

Veronika Csizi

Berlin - Was für ein Börsensommer! Allein der Juli hat dem Dax ein Plus von sieben Prozent beschert: Der Index kletterte von 4586 Ende Juni auf 4886,50 Punkte zum Börsenschluss am Freitag und notierte damit 14 Handelstage in Folge im grünen Bereich. 28 der 30 Werte schlossen im Plus, sechs davon mit zweistelligem Prozentzuwachs: Daimler-Chrysler, VW, MAN, Deutsche Bank, Allianz und Deutsche Börse.

Angetrieben haben den Markt vor allem drei Faktoren. Erstens die Einsicht, dass die großen deutschen Aktien, gemessen an der Gewinndynamik, weiter moderat bis niedrig bewertet sind. Goldman Sachs hält Deutschland sogar für „den attraktivsten Markt Europas“. Zweitens lockt die Aussicht auf einen Regierungswechsel, der – so die SEB Bank – Hoffnungen auf eine wirtschaftsfreundlichere Politik wecke. Und drittens köderten eine Reihe sehr guter Unternehmensnachrichten Investoren.

So jagte der überraschende Rücktritt von Vorstandschef Jürgen Schrempp zum Jahresende die Daimler-Chrysler-Aktie binnen kürzester Zeit mehr als zehn Prozent ins Plus, in der Monatsbilanz stand Daimler am Ende an der Dax-Spitze. Fondsgesellschaften, Aktionärsschützer und Analysten begrüßten den Rückzug Schrempps. Der Aktie schadete auch die Nachricht vom Verkauf von 35 Millionen Daimler-Chrysler-Papieren durch die Deutsche Bank nicht. Im Gegenteil: Die Reduzierung des Bankanteils und der Führungswechsel, hieß es, könnten neuerlich Hedgefonds zum Kauf animieren, die nach Schätzungen bereits 10 bis 15 Prozent an Daimler halten.

Auch die Deutsche Bank überraschte positiv: Mit einer Gewinnsteigerung um 44 Prozent im zweiten Quartal lag sie weit über den Schätzungen der Analysten. Der Aktie bescherte dies ein Plus von knapp 11,5 Prozent. Auch die VW-Aktie kletterte dank überraschend starker Quartalszahlen um mehr als 17 Prozent. Einzig die Aktien von Altana und SAP ließen im Juli kräftig Federn und verloren 8,5 bzw. 1,6 Prozent.

Die meisten Marktbeobachter sehen nun noch im August oder September die Marke von 5000 Punkten fallen, zumal die Stimmung am Markt noch nicht auf eine Überhitzung hinweist: Nach von der Deutschen Börse und der Firma Cognitrend erhobenen Zahlen rechnen aktuell 49 Prozent der Marktteilnehmer mit steigenden Kursen, 31 Prozent mit fallenden, 20 Prozent bleiben neutral. Damit, so Cognitrend, sei das Käuferpotenzial noch nicht ausgeschöpft. Allerdings könnte eine Schwäche an den US-Märkten für ein Sommergewitter auch in Europa sorgen. Eine zwei- bis dreiwöchige Korrektur wird nach Ansicht von Merrill Lynch wahrscheinlicher, könnte anschließend aber zur Basis für einen neuen Aufschwung werden. Für den Dax, der die US-Märkte seit einiger Zeit deutlich überflügelt, hieße dies möglicherweise: Der heiße Börsensommer ist noch nicht zu Ende.

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