Wirtschaft : Ein Kontinent rutscht ab

In fast der gesamten Euro-Zone ist die Wirtschaftsleistung Ende vergangenen Jahres gesunken.

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Berlin - Beinahe in der gesamten Euro-Zone ist die Wirtschaft Ende 2011 geschrumpft. Nur in Frankreich, Zypern und Finnland gab es zwischen Oktober und Ende Dezember im Vergleich zum Vorquartal keine roten Zahlen. Im Durchschnitt aller 17 Länder der Gemeinschaftswährung ging die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent zurück, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg bekannt gab. Besonders tief war die Krise in den Schuldenländern.

Der Rückgang im vierten Quartal war der erste seit zweieinhalb Jahren. Besonders ausgeprägt zeigte sich die Krise in Portugal, das Land war mit einem Minus von 1,3 Prozent das Schlusslicht. Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, kam nur auf minus 0,7 Prozent. Aus Griechenland lagen nur Vergleichszahlen mit dem Jahresende 2010 vor, demnach verlor das Land 7,0 Prozent seiner Wirtschaftskraft.

Ein neues Sorgenkind sind die Niederlande, deren Wirtschaft das zweite Quartal in Folge schrumpfte, dieses Mal mit einer Rate von 0,7 Prozent. Damit steckt das Land offiziell in einer Rezession. Dies gilt auch für Italien und Belgien. Ein Lichtblick in der Euro-Zone war allein das Schwergewicht Frankreich – hier wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent. Dies verhinderte ein noch tieferes Abrutschen in der Währungsunion.

„Es überrascht nicht, dass der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes in der Peripherie besonders ausgeprägt war“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Der Zwang zum Sparen sowie die erschwerten Finanzierungsbedingungen lasteten schwer auf den armen Ländern. „Eine nachhaltige Verbesserung der Konjunktur in der Peripherie erwarten wir erst 2013. Bis die Früchte der Reformen zu sehen sind, wird es sogar noch länger dauern“, urteilte er.

Das Minus von 0,2 Prozent in Deutschland, der größten Volkswirtschaft Europas, hatte das Statistische Bundesamt bereits Anfang Januar geschätzt, die endgültigen Zahlen fielen nur geringfügig besser aus, als damals angegeben. Allein bei den Investitionen gab es schwarze Zahlen – vor allem der Bausektor habe deutlich mehr investiert als im Vorquartal, hieß es. Der Konsum von Bürgern und Staat sowie die Bilanz des Außenhandels drückten dagegen das Ergebnis. Vor diesem Minus-Vierteljahr war die deutsche Wirtschaft zehn Quartale in Folge gewachsen, im gesamten Jahr 2011 um 3,0 Prozent.

Wirtschaftsforscher und Politiker hoffen darauf, dass die Wachstumspause hierzulande bald vorüber ist und Deutschland keine Rezession erlebt. „Im Jahresverlauf findet die deutsche Wirtschaft wieder zu einem höheren Wachstum zurück“, ließ Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) erklären. Darauf deute die Stabilisierung aktueller Konjunkturindikatoren hin. Rösler meint damit jüngste Umfragen zur Stimmung unter deutschen Managern und Verbrauchern, die recht positiv ausgefallen waren.

„Das vierte Quartal 2011 dürfte den Tiefpunkt markiert haben“, glauben etwa die Fachleute der Bank Unicredit. Darauf deuteten zuletzt starke Daten vom Arbeitsmarkt hin. Der Inlandskonsum dürfte wieder anziehen, zumal sich die Verbraucherstimmung zuletzt aufhellte. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass die Wirtschaft ab Mitte des Jahres wieder besser läuft und damit besser abschneidet als zuletzt. Die Prognosen für das Gesamtjahr liegen allerdings noch recht weit auseinander: Während das gewerkschaftsnahe Institut IMK für 2012 ein Minus von 0,1 Prozent kommen sieht, erwartet die Großbank Unicredit ein Plus von 0,9 Prozent.

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