Wirtschaft : Ein Mann aus der New Economy für Thomas Cook

Der ehemalige T-Online-Chef Holtrop übernimmt den Vorstandsvorsitz des Reisekonzerns – die Branche ist überrascht

Dagmar Rosenfeld,Flora Wisdorff

Berlin - Europas zweitgrößter Reiseveranstalter Thomas Cook bekommt einen neuen Chef. Der ehemalige T-OnlineVorstandsvorsitzende Thomas Holtrop werde dieses Amt zum 1.November übernehmen, wie Lufthansa und Karstadt-Quelle, die jeweils 50 Prozent an dem Reiseveranstalter halten, am Freitag mitteilten. „Der gut vorbereitete Übergang an der Spitze des Unternehmens sichert Kontinuität“, sagte der Cook-Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Weber. Der Konzern sei auf dem richtigen Weg. „Der erfolgreich eingeleitete Sanierungskurs muss konsequent weitergeführt werden.“

Dass der bisherige Cook-Chef Wolfgang Beeser sein Amt nur noch bis zum Jahresende ausüben würde, stand bereits fest. Der Touristikmanager, der bereits im Ruhestand war, wurde Anfang 2004 an die Spitze von Thomas Cook geholt, um den schwer angeschlagenen Konzern zu sanieren. Beeser hat die Sanierung nun erfolgreich auf den Weg gebracht und wird im November in den Aufsichtsrat des Tourismuskonzerns wechseln.

Die Ernennung Holtrops, der nur über wenig Erfahrung im Tourismusgeschäft verfügt, wird in Branchenkreisen als „große Überraschung“ bezeichnet. Es heißt, Holtrop habe seinen neuen Posten vor allem Thomas Middelhoff, dem Vorstandsvorsitzenden von Karstadt-Quelle, zu verdanken (siehe Kasten). Er war Middelhoffs Wunschkandidat, sagen Branchenbeobachter. Die Lufthansa jedoch dementiert das. „Holtrop ist unser gemeinsamer Kandidat, die Lufthansa ist schließlich genau wie Karstadt-Quelle zu 50 Prozent Anteilseigner an Thomas Cook“, sagte ein Sprecher. Cook-Aufsichtsrat Jürgen Weber lasse sich sicherlich nicht „die Butter vom Brot nehmen“. „Holtrop ist auch die erste Wahl der Lufthansa“, hieß es.

Der bevorstehende Wechsel hat auch den Spekulationen über eine Zerschlagung des Reisekonzerns wieder Auftrieb gegeben. So könnte die Lufthansa von Thomas Cook die Fluggesellschaft Condor übernehmen und für die Reiseveranstalter Neckermann und Bucher ein Investor gesucht werden. Sowohl Karstadt-Quelle als auch Lufthansa erklärten jedoch, derzeit nicht an einem Verkauf ihrer Anteile interessiert zu sein. Auch Branchenkenner halten eine Zerschlagung zum jetzigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich. „Kurzfristig wird vielleicht die eine oder andere Randaktivität verkauft, aber nicht das Kerngeschäft“, sagte Nils Machemehl von M.M.Warburg dem Tagesspiegel. So verhandelt Cook mit dem amerikanischen Investor Advent über einen Verkauf der verlustreichen Clubreisen-Tochter Aldiana.

Auch Dieter Schneiderbauer, Touristikexperte bei der Unternehmensberatung Mercer, rechnet nicht mit einer Zerschlagung. „Erst wenn die Sanierung von Thomas Cook erfolgreich abgeschlossen ist und der Konzern solide Gewinne erwirtschaftet, würde sich für Lufthansa und Karstadt-Quelle ein Verkauf ihrer Beteiligungen lohnen“, sagte Schneiderbauer dem Tagesspiegel. Denn nur für ein gut aufgestelltes Unternehmen lasse sich ein Investor finden, der auch einen angemessenen Preis zahle.

Dass mit Holtrop ein Marketing- und Telekommunikationsexperte zu Thomas Cook geholt wird, deutet auch darauf hin, dass der Internet-Vertrieb im Konzern ausgebaut werden soll. In diesem Bereich verzeichnet das Unternehmen derzeit das stärkste Wachstum. Insgesamt reduzierte der Konzern im Geschäftsjahr 2004 seinen Verlust von 253,4 Millionen auf 175,9 Millionen Euro. Für das laufende Jahr wurde sogar ein Gewinn in Aussicht gestellt.

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