Wirtschaft : Ein Mann für den Wettbewerb

Bernhard Heitzer, der neue Chef des Bundeskartellamtes, gilt als pragmatisch und durchsetzungsstark

Daniel Rhée-Piening

Berlin - Mancher der Anwesenden dürfte das Gesicht von Bernhard Heitzer bei der Feierstunde im Bonner Plenarsaal des Bundestages am Dienstag zum ersten Mal gesehen haben. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) führte den 58-jährigen promovierten Volkswirt als Nachfolger von Ulf Böge in sein neues Amt als Präsident des Bundeskartellamtes ein.

Heitzer war insgesamt 27 Jahre im Bundeswirtschaftsministerium tätig. Seit 2004 leitete FDP-Mitglied Heitzer als Präsident das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) im hessischen Eschborn. Mit 600 Mitarbeitern ist es rund doppelt so groß wie das Bundeskartellamt. Seine Mitarbeiter beschreiben Heitzer als unbürokratisch, pragmatisch und umgänglich. Der gebürtige Bayer rede gerne, „wie ihm der Schnabel gewachsen ist“ .

Bisher stand Heitzer wenig im Rampenlicht, doch an der ausgezeichneten Qualifikation des neuen Präsidenten zweifelt niemand. Allerdings überraschte die Wahl eines FDP-Mannes politische Beobachter zunächst. Inzwischen heißt es, Glos habe zeigen wollen, wie eng er sich in wirtschaftspolitischen Fragen der FDP verbunden fühle. Der Minister sprach Heitzer denn auch sein volles Vertrauen aus. „Ich weiß das Amt und den Schutz des Wettbewerbs bei Ihnen in guten Händen“, sagte Glos. „Wer Sie kennt, der schätzt Sie für Ihre Offenheit, Ihr unbürokratisches Wesen und Ihre Kommunikationsfähigkeit“, begrüßte Glos den neuen Chef der obersten Wettbewerbsbehörde.

Böge, der in Kürze 65 wird und nach sieben Jahren an der Spitze der Behörde in den Ruhestand geht, dankte er für einen „mutigen Kampf für die deutschen Verbraucherinteressen“. Unter seiner Leitung habe das Bundeskartellamt zahlreiche Kartelle aufgedeckt und mit hohen Bußgeldern belegt. Böge sei ein Hüter des Wettbewerbes gewesen und habe allen Versuchen widerstanden, sich auf eine Seite ziehen zu lassen.

Mit Spannung wird nun erwartet, ob sich Heitzer als Präsident des Bundeskartellamtes genauso konfliktfreudig zeigt wie sein parteiloser Vorgänger Böge. Dieser hatte zuletzt vor allem durch seinen Einsatz gegen die Energieversorger von sich Reden gemacht. Er wies Energieriesen wie RWE und Eon in die Schranken.

Auch Heitzer hat sich vor seinem Wechsel intensiv mit der Energiepolitik beschäftigt. Das Bafa setzte Fördermaßnahmen zur stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien, zur Energieeinsparung und für den deutschen Steinkohlebergbau um. Auf seinem Schreibtisch soll zuletzt eine Abhandlung über die Preisbildungsmechanismen auf den Energiemärkten gelegen haben. Von Glos kann er Unterstützung erwarten. Der Wirtschaftsminister will das Kartellrecht speziell für die Gasbranche ändern. Die Kartellbehörden sollen leichter gegen Preismissbrauch vorgehen können. Und der passionierte Jogger Heitzer, verheirateter Vater zweier Töchter, gilt als ausdauernder und durchsetzungsstarker Typ, der keiner Auseinandersetzung aus dem Wege geht.

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