Wirtschaft : Ein Mann für die Stabilität

Axel Weber kritisierte die Euro-Krisenpolitik

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Frankfurt am Main - Nichts hat in den letzten Wochen darauf hingedeutet, dass Axel Weber amtsmüde ist. Unablässig war der 53-jährige Hobby-Marathonläufer unterwegs, trommelte für den Euro, lobte, wie zuletzt am Montag in der estnischen Hauptstadt Tallinn, die europäische Währung als das wichtigste politische und ökonomische Projekt in Europa. Und appellierte einmal mehr eindringlich an die Euro-Länder, endlich ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Aber gleichzeitig war es zuletzt auch ruhiger geworden um Weber. Kritische Töne an den Rettungsmaßnahmen waren von dem ehemaligen Wirtschaftsprofessor nicht zu vernehmen, auch nicht zu politischen Entscheidungen über eine mögliche Ausweitung des Euro-Rettungsschirms oder zum Aufkauf von Euro-Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Auch in der Debatte um die aufkommende Inflation blieb Weber erstaunlich ruhig – Vorzeichen für die Rückzugsankündigung?

Noch im vergangenen Jahr meldete sich Weber mehrfach lautstark zu Wort. Er kritisierte den Ankauf von Staatsanleihen als erhebliches Risiko für die Preisstabilität und zog damit den Ärger von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet auf sich. Auch Jean-Claude Juncker, der Chef der Euro-Gruppe, war von dem Deutschen nicht immer begeistert. Und nicht zuletzt eckte Weber bei der Bundesregierung mit Kritik an den Krisenplänen an. Trotzdem stärkte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem 53-Jährigen bei seinen Ambitionen auf den Chefsessel im Frankfurter Eurotower den Rücken.

Weber gilt als idealer Kandidat. Als Wirtschaftsprofessor in Siegen, Bonn und Frankfurt am Main hat er sich jahrelang intensiv mit Währungspolitik befasst. Er war Mitglied im Sachverständigenrat. Es kam nicht ganz überraschend, als der damalige Finanzminister Hans Eichel den gebürtigen Rheinland-Pfälzer im Mai 2004 als neuen Präsidenten der Bundesbank präsentierte.

Damit rückte zum ersten Mal ein Wissenschaftler an die Spitze der deutschen Notenbank. Weber führte den Umbau und die Verschlankung der Bundesbank weiter – nicht immer zur Freude der Mitarbeiter. Über ein Jahr lang musste er sich bis September 2010 mit der Affäre Sarrazin herumschlagen, bevor der ehemalige Berliner Finanzsenator dann endlich aus dem Bundesbankvorstand zurücktrat, nachdem er mehrfach gegen den Kodex für den Bundesbank-Vorstand verstoßen hatte.

Weber hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass für ihn als Geldpolitiker Preisstabilität oberste Priorität hat. Auch deshalb wurden ihm bislang große Chancen auf den Chefposten der EZB eingeräumt. „Ich bin bekennender Stabilitätspolitiker und habe nicht vor, das im letzten Jahrzehnt meiner beruflichen Tätigkeit zu ändern,“ hat er noch im Herbst gesagt. Die Rettungspakete zur Bewältigung der Finanzkrise und die neuen Regeln für die Banken tragen maßgeblich die Handschrift von Weber.

In wichtigen internationalen Gremien hat er dafür gestritten. Dass Banken auf Kosten des Steuerzahlers zocken, hat er mehrfach angeprangert. Wenig Verständnis zeigte er auch für satte Boni-Zahlungen an Banker.

Möglicherweise muss sich der Noch- Bundesbank-Präsident mit diesen Fragen in Zukunft bei der Deutschen Bank befassen. Beobachter der Bundesbank und der EZB können sich diesen Wechsel freilich immer noch nicht recht vorstellen. Und schon gar nicht, dass einer wie Weber möglicherweise den Verlockungen des großen Geldes erliegt. Aber zehn Millionen Euro als Vorstandschef der Deutschen Bank statt 360 000 Euro als Bundesbankchef sind natürlich schon ein Wort. Rolf Obertreis

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