Wirtschaft : Ein Netz für die Region

Nach Gesundheit und Energie: Berlin und Brandenburg bilden Cluster für Verkehr, Mobilität und Logistik

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Mehr Strahlkraft. Das neue Innovationsnetzwerk soll die Stärken der Region national und international besser zur Geltung bringen – und Bürokratie abbauen helfen.
Mehr Strahlkraft. Das neue Innovationsnetzwerk soll die Stärken der Region national und international besser zur Geltung bringen –...Foto: dapd

Berlin - Vernetzung ist ein Zauberwort der Berliner und Brandenburger Wirtschaftspolitik. Alles, was die strukturschwache Region an Unternehmen, Verbänden, Universitäten und Forschungsinstituten zu bieten hat, sollte nach den Vorstellung der beiden Länder verknüpft, verkettet und vernetzt werden. So sind in jüngster Vergangenheit wirtschaftliche „Cluster“ entstanden – in der Gesundheitsbranche und in der Energietechnik. Seit Mittwoch gibt es ein drittes länderübergreifendes Cluster für Verkehr, Mobilität und Logistik. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) und sein Potsdamer Amts- und Parteikollege Ralf Christoffers hoben es in Berlin gemeinsam aus der Taufe. Ein viertes Innovationsnetzwerk könnte in Zukunft folgen: für die optische Industrie der Region.

Wenn schon kein vereintes Bundesland, dann wenigstens ein einheitlicher Innovationsraum: Die Clusterbildung zweier Bundesländer sei ein „Alleinstellungsmerkmal“, das es so nirgendwo in Deutschland gebe, sagte Christoffers. „Darin liegt eine große Chance für die Region.“ Manche sagen: Es ist die einzige Chance in einer Region, die keine Großkonzerne, kein Geld und eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit hat.

Nun also Mobilität: Die fünf „Handlungsfelder“ Automobilindustrie, Schienenverkehrstechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Logistik und Verkehrstelematik werden in der Regie eines eigenen Managements in Zukunft stärker zusammengeführt. Sprecherin des Clusters wird Barbara Lenz, die das Institut für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Adlershof leitet.

Das Cluster soll gemeinsame Vorhaben unbürokratischer ermöglichen und der Hauptstadtregion eine wahrnehmbarere Präsenz auf Messen und in der EU verschaffen. Es geht um viele Arbeitsplätze und eine erhebliche Wertschöpfung. Produzierende Unternehmen und Wissenschaft in den fünf Branchen zählen den Angaben zufolge rund 54 000 Beschäftigte in beiden Ländern, weitere 50 000 arbeiten bei großen Verkehrsbetreibern, rund 180 000 bei Logistik-Dienstleistern.

Glaubt man Harald Wolf, liegt Berlin auf einigen Feldern schon vorne. „Die Hauptstadtregion setzt sich an die Spitze der europäischen Bahntechnikzentren“, sagte er. Mit Bombardier und Siemens hätten zwei Systemhersteller ihren Sitz in Berlin. Der Zughersteller Stadler expandiere und wolle in den kommenden zwei Jahren 300 neue Arbeitsplätze schaffen. Außerdem seien Berlin und Brandenburg die führende Modellregion für intermodale Mobilität im Personen- und Güterverkehr. Nicht zu vergessen: die Elektromobilität. „Hier gibt es eine große Bereitschaft zu experimentieren, das findet man nicht überall“, sagte Barbara Lenz. Das zeige gerade das Beispiel E-Mobilität: „Anfangs gab es viele Aha-Erlebnisse – am Ende stand eine gemeinsame Strategie.“

Dass es auch an Pioniergeist nicht mangelt, beweist das Unternehmen IAV, das am Mittwoch Wolf und Christoffers demonstrierte, was bei der Entwicklung und Produktion möglich ist in der Hauptstadt. Die Ingenieurgesellschaft für Auto und Verkehr wurde 1983 als Ableger der TU Berlin gegründet und beschäftigt heute mehr als 4000 Mitarbeiter in aller Welt. Der Umsatz soll 2011 auf 430 Millionen Euro steigen, wie Geschäftsführer Michael Schubert sagte. 60 Prozent der Beschäftigten sind Ingenieure. Ein zentrales Betätigungsfeld sieht IAV in der Elektromobilität. Demnächst soll am Hauptbahnhof zu sehen sein, womit sich die Ingenieure seit Monaten beschäftigen. Mit einer kleinen Flotte von Elektrotaxis soll erprobt werden, wie sich Batterien ohne manuelle Kabelverbindung füllen lassen.

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