Wirtschaft : Ein überschaubares Angebot

UMTS-Handys: Was die Hersteller auf der Cebit zeigen wollen

Dennis Kremer

Die Auseinandersetzung erinnert an die alte Geschichte von der Henne und dem Ei. Vier Jahre hat die Mobilfunkbranche über die Frage gestritten: Was muss zuerst da sein? „Die Netze“, sagen die Handy-Hersteller, sonst könnten sie ihre Geräte nicht richtig testen. „Bevor wir die Netze starten, müssen die Handys da sein“, sagen die Netzbetreiber. Zum Start der Computer-Messe Cebit kommt nun Bewegung in die Branche: Die ersten Netze laufen, und seit Ende 2003 bringen immer mehr Hersteller marktreife UMTS-Mobiltelefone auf den Markt.

„Das wurde auch langsam Zeit“, sagt Ben Wood, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Gartner. Denn bisher hat sich die Investition in die teuren UMTS-Handys für die Hersteller nicht ausgezahlt: 2003 wurden nach Schätzungen von Gartner in Westeuropa nur 500000 UMTS-Geräte verkauft – hauptsächlich in Italien, Großbritannien und Österreich, denn hier laufen die UMTS-Netze schon im kommerziellen Betrieb. Zum Vergleich: 2003 gingen allein in Deutschland 25,4 Millionen herkömmliche Geräte über die Ladentheke. Spätestens in der zweiten Hälfte diesen Jahres werde der Markt für UMTS-Handys deutlich wachsen, schätzt Ben Wood. „Wir rechnen 2004 mit dem Verkauf von etwa zehn Millionen UMTS-Geräten weltweit, davon rund drei Millionen in Westeuropa.“

Auch Wolfgang Pauler vom Mobilfunkberater Xonio.com erwartet Bewegung in der Branche. „Den Durchbruch zum Massenmarkt wird es aber vor 2006 nicht geben“, sagt der Handy-Experte. „In diesem Jahr kaufen nur Geschäftsleute und Technik-Freaks.“ Dafür nennt er zwei Gründe: Erstens seien die UMTS-Geräte oft doppelt so schwer wie herkömmliche GSM-Handys. Zweitens verfügten sie über weniger Funktionen. „Adressbücher und Kalender sind oft nicht so benutzerfreundlich wie bei GSM.“ Zudem gebe es Probleme mit der Ausdauer der Akkus.

Groß ist die Auswahl an UMTS-Handys noch nicht, aber zur Cebit zeigen die fünf größten Hersteller zumindest einige Geräte. Manche sind auch schon im Handel, wie etwa ein Modell des Marktführers Nokia: Wer einen Vertrag beim Mobilfunkanbieter Debitel abschließt, erhält das Nokia 7600 ab 299 Euro. Ohne Vertrag kostet es 609 Euro. Nokia wirbt nicht nur mit schnelleren Datenübertragungsraten, sondern vor allem mit Video- und Audio-Streaming (also der Möglichkeit, sich Musik und Videos herunterzuladen und gleichzeitig anzusehen), mit einer Digitalkamera für Video- und Fotoaufnahmen und einem MP3-Player. Eine wichtige UMTS-Anwendung – die Videotelefonie – bietet das Nokia 7600 nicht. Videotelefonie heißt, dass beim Telefonieren auch die Bilder der Gesprächspartner übertragen werden.

Motorola, hinter Nokia weltweit die Nummer zwei, setzt voll auf diese neue Möglichkeit: Mit dem E1000, das im Laufe des Jahres auf den Markt kommen soll, sind Video-Konferenzen kein Problem. Mit rund zwölf Zentimetern Länge ist das Gerät außerdem genauso handlich wie ein GSM-Handy.

Samsung versucht, die Konkurrenz mit dem SGH-Z105 zu übertreffen. Das Modell, das im April in den Handel kommt, hat eine Auflösung von 262000 Farben und unterstützt ebenfalls Videotelefonie. Z1010 heißt das Topmodell beim Wettbewerber Sony- Ericsson: Das Gerät, das noch nicht im Handel erhältlich ist, bietet neben Videotelefonie auch einen „Memory-Stick“ – einen externen Speicher, mit dem Daten vom PC aufs Handy übertragen werden können. Den Preis ihrer Geräte verraten Motorola, Samsung und Sony-Ericsson noch nicht. Bereits erwerben – für 899 Euro – kann man dagegen das Siemens-Modell U15. Wer einen Mobilfunkvertrag über zwei Jahre abschließt, bekommt es im Internet ab 569 Euro.

Noch ist der Markt für UMTS-Geräte überschaubar. Schwer vorstellbar, dass in zwei Jahren 100 Millionen Kunden weltweit mit den Multimediahandys telefonieren werden, wie Siemens schätzt. Doch auch Ben Wood erwartet: „In fünf bis zehn Jahren gibt es nur noch UMTS-Handys.“

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