Wirtschaft : Ein Versuch zur rechten Zeit

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Von Corinna Visser

Zwei Anwälte aus Stuttgart erstatten Anzeige gegen Ron Sommer und andere hochrangige Vertreter der Telekom. Warum? Bisher haben Anwälte und Anlegerschützer keinen dieser Prozesse gewinnen können. Aber: Zuerst einmal beschert die Aktion der Kanzlei in Süddeutschland eine Menge Aufmerksamkeit. Die hat es schon mit ihrer Anzeige gegen die Aufsichtsräte von Mannesmann in die Schlagzeilen gebracht. Damals ging es um die Abfindung von 60 Millionen Mark an den ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser.

Wenn man allerdings die Anti-Manager-Stimmung im Lande in Betracht zieht, ist es nicht mehr so verwunderlich, dass geklagt wird: Immer mehr gefälschte Bilanzen und Führungskräfte, die sich selbst große Gehälter genehmigen, während die Aktionäre ihre schrumpfenden Depots beklagen und viele um ihre Arbeitsplätze fürchten müssen. Der Unmut ist groß.

Bisher hatten Aktionäre in Deutschland keine gute Position, wenn sie Vorstände wegen Missmanagements oder Untreue auf Schadensersatz verklagen wollten. Die Gesetze sind zwar da, aber es mangelt an der Durchsetzung. In diesem Sinne könnte die neue Anzeige gegen die Telekom-Manager zwei gute Seiten haben: Eine mögliche staatsanwaltschaftliche Ermittlung bringt vielleicht Fakten und Unterlagen ans Tageslicht, die Aktionäre auch in Zivilprozessen verwenden können. Denn diese Klagen scheitern bisher vor allem daran, dass die Kläger keinen Zugang zu den internen Akten haben. Zweitens sorgt die wachsende Zahl von gerichtlichen Auseinandersetzungen dafür, dass die Vorstände und Aufsichtsräte deutscher Unternehmen nachdenklich werden. Aktienoptionspläne, die zu großzügig sind, werden sie künftig sehr gut überdenken, bevor sie die Hauptversammlung um eine Erlaubnis dafür bitten. Denn sie müssen damit rechnen, dass die Aktionäre sich diese Pläne jetzt genauer ansehen werden.

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