Wirtschaft : Ein Weg aus den tiefroten Zahlen - Vorstandschef Hendry baut auf Markenpflege

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Opel befindet sich nach Ansicht von Vorstandschef Robert Hendry eindeutig wieder auf dem Weg der finanziellen Gesundung. Zwar hat die Tochter des US-Autoriesen General Motors auch im vergangenen Jahr im eigentlichen Autogeschäft wieder einen Verlust eingefahren. Mit einem Betrag von 50 bis 100 Millionen Mark ist er aber deutlich kleiner als 1998, als Opel noch mit 344 Millionen Mark in den Miesen steckte. "Das ist natürlich immer noch unbefriedigend. Aber es ist auch nicht die hoffnungslose, tiefrote Bilanz, die uns in den letzten Monaten zum Teil schon zugeschrieben wurde", sagte der Opel-Chef am Donnerstagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Den Umsatz steigerte Opel 1999 um rund sechs Prozent auf den Rekordwert von knapp 32 Milliarden Mark. Für das Jahr 2000 werden in Rüsselsheim wieder schwarze Zahlen erwartet. Die Ergebnis-Verbesserung um rund 260 Millionen Mark darf sich Hendry als einen Erfolg seiner bislang rund 14-monatigen Amtszeit zuschreiben. Andererseits könnte der 56-jährige Opel-Chef frustriert sein, denn die GM-Tochter verdient in Deutschland mit der Produktion und dem Verkauf von Autos derzeit kein Geld. Ganz abwegig schienen die jüngsten Gerüchte um seinen vorzeitigen Rückzug nicht. Nichts sei dran, sagt der Opel-Chef. Er werde seinen Fünf-Jahres-Vertrag erfüllen.

Der neue Opel-Chef hat vor allem eines gelernt: Das Unternehmen muss nach außen hin transparent und offen auftreten. Künftig sollen alle Zahlen auf den Tisch gelegt werden. Jahrelang und vor allem im vergangenen Jahr hatte Opel ein schwer durchschaubares Zahlenspiel getrieben. Ein Betriebsergebnis hatte Opel für 1998 nicht genannt und nicht erläutert, wie unter dem Strich der Gewinn von 576 Millionen Mark zustande gekommen war. Nur eines war klar: Durch Umstellungen in ihrem Beteiligungsbesitz hatte Opel einen stattlichen Betrag locker gemacht. Erst im Laufe des Jahres sickerte durch, dass die Adam Opel AG mit den Werken in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern einen Betriebsverlust von stolzen 802 Millionen Mark erwirtschaftet hatte. Dank der Gewinne vor allem von Opel Eisenach, die nicht zur AG gehört, wurde das Loch um rund 460 Millionen Mark kleiner.

Opel wird künftig nach amerikanischen Regeln bilanzieren. So wie es auch die Muttergesellschaft tut. Damit soll auch das Ergebnis von GM für Europa verständlich werden. Dort fiel 1999 ein Gewinn von 423 Millionen Dollar an. Dafür steht vor allem Opel Espana mit dem Corsa-Werk in Saragossa und die Opel-Schwester Vauxhall in Großbritannien. Opel und die andere GM-Tochter Saab haben dagegen das Ergebnis deutlich gedrückt. Vor allem wegen der vielen neuen Modelle und des Erfolgs der laufenden Astra und Zafira rechnet Hendry im Jahr 2000 mit schwarzen Zahlen. Er baut unter anderem auch auf den neu konzipierten Kleinwagen Corsa, der die beispiellose Erfolgsgeschichte des bisherigen Modells weiterdrehen soll. Hendry will den Marktanteil von Opel in Deutschland endlich in den nächsten drei Jahren wieder auf 17 Prozent nach oben schrauben. Von 1995 bis 1999 ist er von 17 auf nur noch 13,8 Prozent gesunken. Ganz entscheidend ist für Hendry die Förderung der Marke. "Sie wird in der Autoindustrie immer wichtiger." Opel kämpft immer noch mit einem angestaubten Image. Deswegen hat Hendry mit Alain Uyttenhoven im Herbst einen ehemaligen Daimler-Manager als Marketing-Vorstand geholt. Das andere große Thema ist die Allianz zwischen Fiat und GM.

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