Wirtschaft : Eine Datenautobahn durchzieht den Ruhrpott

ANDREAS HOFFMANN

Otelo bereitet sich auf den Wettbewerb mit der Telekom vorVON ANDREAS HOFFMANN

DÜSSELDORF.Es ist nur ein unscheinbarer Graben am Emscher-Deich in Recklinghausen, vielleicht einen halben Meter breit.Doch für Ulf Bohla liegt dort die Zukunft vergraben."Diese Strecke ist ein Filetstück für unser Transportnetz", sagt der Geschäftsführer von Otelo, der gemeinsamen Telekom-Tochter von RWE und Veba.Am Montag unterschrieb Bohla einen Kooperationsvertrag mit der Emschergenossenschaft, die sich um Kläranlagen und Abwasserreinigung im nördlichen Ruhrgebiet kümmert.Damit kann er auf einer Länge von 130 Kilometern durch das Ruhrgebiet Glasfaserkabel verlegen und die Städte Duisburg, Essen, Oberhausen, Gelsenkirchen, Recklinghausen bis nach Dortmund, Kamen und Werne anschließen - ein Ballungsraum mit zehn Millionen Menschen.Bohla: "Wir legen die Datenautobahn, um den Weg des Ruhrgebiets zur High-Tech-Region zu beschleunigen." 20 Mill.DM kostet der Datenhighway, technisch lassen sich auf ihm bis zu 1,5 Mill.Telefon-Gespräche gleichzeitig führen.Das High-Tech-Netz durch den Ruhrpott gehört zu Bohlas Plan. Im kommenden Jahr geht die Konkurrenz mit der Deutschen Telekom erst richtig los, wenn das Telefonieren hierzulande vollständig liberalisiert wird und private Firmen, wie eben Otelo oder die Mannesmann-Tochter Arcor, Ferngespräche und andere Dienstleistungen rund ums Telefon vermitteln dürfen.Knapp 7 Mrd.DM will das Unternehmen bis zum Jahr 2005 investieren, um dem jetzigen Monopolisten Telekom etwa 12 bis 15 Prozent Marktanteil abzujagen.Dann sollen etwa 7000 Beschäftigte knapp 7 bis 9 Mrd.DM umsetzen, derzeit erwirtschaften etwa 2700 Arbeitnehmer rund eine halbe Mrd.DM Erlös.Knapp 750 Großkunden, darunter RTL und Sat 1 haben die Düsseldorfer bereits unter Vertrag, dazu kommen noch 600 000 Kunden der Mobilfunk-Tochter e-plus, an der Veba und Thyssen beteiligt sind. Schon heute hat Otelo über 11 000 Kilometer Glasfaser-Kabel 26 Großstädte und Ballungszentren, wie Berlin, Chemnitz, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, München oder Stuttgart verbunden - vor allem durch den Zugriff auf die Energieversorger-Netze von RWE und der Veba-Tochter PreussenElektra.Nur ob die schönen Pläne der Düsseldorfer wirklich aufgehen, ist keineswegs sicher.Mehreren Hürde muß Otelo noch überspringen.Da sind etwa die sogenannten Interconnection-Gebühren.Für die letzten 100 Meter zum Kunden will das Unternehmen keine eigenen Kabel legen, sondern auf die Netze der Telekom zurückgreifen.Eigene Strippen zu ziehen, wäre zu teuer.Diese Leitungen will sich die Telekom viel zu gut bezahlen lassen, meint jedenfalls der Otelo-Geschäftsführer.Vergleichbar mit anderen Ländern taxiert er den Minutenpreis auf ein bis zwei Pfennig, doch die Telekom fordere 6 Pfennig.Otelo hat diese Preispläne bei Bundespostminister Wolfgang Bötsch beklagt, der noch bis Ende des Jahres den Wettbewerb überwacht.Bis Ende September soll über die Interconnection-Tarife entschieden sein, wobei Bohla einen Minutenpreis von maximal zwei Pfennig erwartet.Ebenso unklar ist weiterhin, wer der dritte Partner bei Otelo werden soll.Nachdem das britische Unternehmen Cable and Wireless Anfang des Jahres aus der Telefonallianz ausgestiegen ist, suchen Veba und RWE weiter nach einem internationalen Unternehmen.Heißeste Favoriten für den 20 Prozentanteil sind der zweitgrößte US-Telekommunikationskonzern GTE und die US-Gruppe Bell South, die bereits bei e-plus im Boot sitzen.

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