Wirtschaft : Eine Frage der Verantwortung

CORINNA VISSER

Berichte über Gerichtsurteile aus den USA, in denen Klägern außerordentlich hohe Schadenersatzansprüche zugestanden werden, rufen in Deutschland immer wieder großes Erstaunen hevor. Jetzt hat ein Gericht in Los Angeles sechs Menschen einen Schadenersatz von fast zehn Mrd. DM zugesprochen, weil sie Verbrennungen erleiden mußten, als ihr Chevrolet bei einem Unfall in Flammen aufging. Möglich sind diese hohen Summen, weil es im amerikanischen Recht einen Strafschadenersatz gibt, wonach die beklagten Firmen neben dem Schadenersatz auch eine Strafe zahlen müssen. Und die ist meist empfindlich. So sollen nicht nur die Interessen der Kläger, sondern auch die der Allgemeinheit zum Tragen kommen.Weil die amerikanischen Rechtsanwälte an den hohen Zahlungen kräftig mitverdienen, wachsen die Forderungen weiter an. Andererseits versuchen sich die Unternehmen mit immer neuen Warnhinweisen auf ihren Produkten gegen die hohen Strafen zu schützen. Teilweise klingen die Warnungen schon reichlich absurd, wie die eines amerikanischen Schnellerestaurants, das darauf hinweist, daß Kaffee heiß ist und zu Verbrennungen führen kann. Ein gewisses Maß an eigener Verantwortung und Mitdenken sollte auch der Kunde aufbringen.Im Fall von General Motors (GM) sieht die Sache allerdings etwas anders aus. Wenn der größte Autokonzern der Welt tatsächlich von dem gefährlichen Benzintank wußte und nur wegen der Kosten keine Änderungen vorgenommen hat, ist eine hohe Strafe richtig. Hier ist GM der Experte und muß seine Kunden schützen oder warnen, denn sie können die Gefahr nicht beurteilen. Mit Hilfe des Strafschadenersatzes kann der Kunde sich gegen die Großkonzerne wehren. Allerdings müssen die Summen im Rahmen bleiben. Aber was ist für sechs zerstörte Leben schon angemessen?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben