Wirtschaft : Eine schwarze Woche für Telekom-Aktionäre

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Die Aktionäre der Deutschen Telekom werden die vergangene Börsenwoche so schnell nicht vergessen. Auch am Freitag gehörte die Aktie der Deutschen Telekom wieder zu den Verlierern am deutschen Markt. Ein Minus von zwei Prozent auf 18,29 Euro, musste das Papier bis zum späten Nachmittag hinnehmen. Für die ganze Woche addieren sich die Verluste auf insgesamt mehr als neun Prozent.

Auslöser für die Talfahrt waren Presseberichte. "Capital" hatte geschrieben, den Aktionären drohe ein Dividendenausfall, statt der von Telekom-Chef Ron Sommer immer wieder versprochenen goldenen Zeiten. Am Freitag legte die "Financial Times Deutschland" nach und berichtete, die Telekom habe einen Free-Cash-Flow von minus zwei Milliarden Euro erwirtschaftet (siehe Lexikon). Die Kleinaktionäre reagieren auf den Zahlenwirrwarr und verkaufen.

Sommer versuchte zu widersprechen, verwies auf die Dividendenkontinuität - für das Jahr 2000 wurden 0,62 Cent ausgeschüttet -, mit konkreten Zahlen tat er sich diesmal schwer (siehe nebenstehenden Bericht). Dabei weiß der Telekom Chef mit Zahlen zu jonglieren. Immer wieder betonte Sommer, die Telekom sei gut aufgestellt und erwirtschafte glänzende Ergebnisse im operativen Geschäft. Für das gute Abschneiden des eigentlichen Geschäfts hat Sommer stets Zahlen parat. Zahlen nach den International Accounting Standards (IAS), die im wesentlichen auf den Regeln des US-Gaap basieren. Doch diese Zahlen haben es in sich. "Auch Analysten der Banken sind häufig nicht mehr in der Lage richtig zu differenzieren", sagt Bernhard Pelles, Professor am Lehrstuhl für internationale Unternehmensrechnung an der Uni Bochum. Und sein Kollege Walthert Busse von Colbe, Professor für Betriebswirtschaftslehre, stellt schlicht fest, mit den internationalen Regeln seien die Bilanzierungsspielräume noch größer geworden. Sommer rechtfertigt sich: Die Telekom sei ein internationaler Konzern, der nach IAS-US-Gaap bilanzieren müsse.

Beispiel Ebitda: Dieses nach IAS festgelegte Ergebnis kann sich in der Tat sehen lassen. Im laufenden Jahr soll es 17 Milliarden Euro, im Jahr 2003 rund 18 Milliarden Euro und in nächstfolgenden Jahr sogar 21 Milliarden Euro erreichen. Doch gerade im Fall Telekom verschleiert das Ebitda mehr als dass es aussagt. Denn dieses Ergebnis erhält nicht die Zinszahlungen und Abschreibungen, beides Größen, die bei der Telekom ganz erheblich ins Gewicht fallen.

Die Verschuldung der Deutschen Telekom betrug ausweislich des Quartalsberichts zum 30. September 2001 rund 65 Milliarden Euro. Die Zinsbelastung gab Finanzchef Karl-Gerhard Eick zuletzt für das Jahr 2001 mit rund 4,5 Milliarden Euro an. Das lässt wenig Spielraum.

Viel Spielraum ergibt sich hingegen bei den Abschreibungen, auch wenn hier gewaltige Summen in der Bilanz stehen. Schon nach dem alten deutschen Steuer- und Handelsrecht war dies eine Größe, die Vorständen, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern viel "Gestaltungsraum" ließ. Im Mittelpunkt stehen neuerdings die Goodwill-Abschreibungen, die alle Gesellschaften die nach dem US-Gaap beziehungsweise IAS bilanzieren, vornehmen müssen. Übernimmt eine Firma eine andere, muss der Käufer den Firmenwert des übernommenen Unternehmes (Goodwill) planmäßig über die kommenden Jahre gewinnmindernd abschreiben. Nun wird in den internationalen Gremien auf Druck, insbesondere der High-Tech-Branche eine neue Variante diskutiert. Die Firmen sollen nun den Wert der übernommenen Firma regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls auf den niedrigeren Wert (sonder-) abschreiben.

Doch damit ist der Zeitpunkt oder die Höhe einer Goodwill-Abschreibung nicht mehr so genau festgelegt. Akquisitionsfreudige Unternehmen könnten so in Zukunft höhere Gewinne ausweisen. Entwickelt sich das Geschäft allerdings nicht wie geplant, fallen auf einen Schlag hohe Sonderabschreibungen an.

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