Wirtschaft : Eine Vielzahl von Fördertöpfen wartet auf Investoren und Existenzgründer

CASPAR BUSSE

Wirtschaftsförderung wird in absehbarer Zeit auf hohem Niveau fortgesetztVON CASPAR BUSSE

Scheinbar unüberschaubar ist die Zahl der Fördertöpfe für Jungunternehmerund Existenzgründer in der neuen Ländern.Mancher Investor zuckt hilflosmit den Schultern, wenn er auf die verwirrende Vielzahl der Förderprogrammeblickt.Die Weberbank Berliner Industriebank wirbt mit dem Spruch: "StellenSie sich vor, Sie sind förderungswürdig und wissen es nicht." Mindestensgenauso kompliziert wie die Auswahl des richtigen Programms kann dierichtige Form des Antrages sein.Dazu kommt: Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) und seineostdeutschen Amtskollegen überarbeiten derzeit das Förderkonzept für dieneuen Länder, das dann ab 1999 für mindestens fünf Jahre dieRahmenbedingungen klar definieren und für die nötige Berechenbarkeit sorgensoll.Mit Ergebnissen ist im Sommer zu rechnen.Fest steht bisher nur, daßdie Sonderförderung von Unternehmen in den neuen Ländern und Berlin für diekommenden Jahren auf hohem Niveau fortgesetzt wird.Wie es aussieht, sollenzudem die Möglichkeiten zu Sonderabschreibungen durch höhereInvestitionszulagen ersetzt werden.Die 66 ostdeutschen CDU-Abgeordneten imBundestag wollen nach Angaben ihres Sprechers Paul Krüger dabei eineVerdoppelung der Zulagen auf 10 Prozent für Investitionen im verarbeitendenGewerbe, auf 20 Prozent im mittelständischen verarbeitenden Gewerbe sowieim Handwerk und auf 20 Prozent im innerstädtischen mittelständischen Groß-und Einzelhandel durchdrücken.Im allgemeinen gliedern sich die Förderprogramme für Unternehmen im RaumBerlin-Brandenburg in die Bereiche Existenzgründung und -förderung,Investitionsfinanzierung und Liquiditätshilfen, Bürgschaften undBeteiligungen sowie eine Vielzahl von Spezialprogrammen.Fördergeldervergeben der Bund, das jeweilige Bundesland wie auch die Europäische Union.Die Programme können im übrigen in gewissen Grenzen auch kombiniert werden.Details verrät beispielsweise eine 130 Seiten starke Förderfibel derBerliner Senatsverwaltung für Wirtschaft und Betriebe oderInformationsbroschüren der Industrie- und Handelskammern in Berlin undBrandenburg.Allein die Deutsche Ausgleichsbank (DtA) in Bonn, spezialisiert aufExistenzgründer und Umweltschutz, und mit der Kreditanstalt fürWiederaufbau (KfW) in Frankfurt/M.wichtigstes Förderinstitut des Bundes,bewilligte in allen neuen Ländern Existenzgründungskredite in Höhe von 4Mrd.DM.Aus dem Beteiligungsfonds Ost mit der Variante desEigenkapitalergänzungsprogramms zur Finanzierung weicher Investitionskostenhat die DtA 1996 alleine 273 Mill.DM bewilligt.Aus demDtA-Betriebsmittelprogramm wurden weitere 255 Mill.DM bereitgestellt.Junge ostdeutsche Unternehmen, die kurz vor dem Abgrund stehen, könnenebenfalls auf Hilfe der öffentlichen Hand zählen.Die Erkenntnis: Durchbessere Betreuung und effektive Krisenhilfe kann mehr getan werden alsdurch immer neue Förderprogramme.Die Ausgleichsbank in Bonn etwa hat dafür22 sogenannte Runde Tische eingerichtet, die erfolgreich Pannenhilfeleisten sollen.Seit 1996 gibt es in Berlin außerdem dieDtA-Beratungsagentur, die kostenlose Experten vermittelt.Förderung für Ost-Unternehmen kommt aus vielen Ecken: Eines der jüngstenKinder der Förderfamilie für Ostdeutschland trägt beispielsweise denklingenden Namen "Futour".Für die Förderung von ostdeutschenHigh-Tech-Gründern stehen dabei aus dem Topf des Bundesministers fürBildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) bis Ende 1999 rund500 Mill.DM zur Verfügung.Mit diesen Fördermitteln sollen inOstdeutschland 250 Hochtechnologie-Unternehmen mit bis zu 3 000 neuenArbeitsplätzen entstehen.Hauptadressat des neuen Programms ist der Mittelstand in den neuen Ländern.Die Beantragung der Förderung soll möglichst einfach gehalten werden.Sogenügt es zunächst, wenn der Erfinder ein formloses Ideenpapier, etwa beider Deutschen Ausgleichsbank in Berlin (Sarrazinstr.11-15 in 12159Berlin), einreicht, das dann, so das Versprechen, schnell geprüft wird.Nach zwei Wochen können etwa die Hälfte der Antragssteller in eine konkretePlanungsphase eintreten, bei denen die BMBF-Experten behilflich sind.Nachetwa einem Monat sollen bereits die ersten Fördergelder bewilligt werden.Neu ist auch, daß eine Machbarkeitsprüfung mit nicht rückzahlbarenZuschüssen bis zu 50 000 DM unterstützt wird.Dazu kommen weitere Zuschüsseund projektbezogene stille Beteiligungen durch dieTechnologie-Beteiligungs-Gesellschaft (tbg) der Deutschen Ausgleichsbanksowie Hilfen für die Nachentwicklung.

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