Wirtschaft : "Einfalltor in den Protektionismus"

Juergen B.Donges ist der Außenhandels-Experte der fünf Weisen im Sachverständigenrat.Er lehrt Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln.Mit ihm sprach Jobst-Hinrich Wiskow.

TAGESSPIEGEL: Sind Dumping-Preise wirklich gefährlich?

DONGES: Zunächst einmal ist genau zu prüfen, ob ein Dumping-Vorwurf überhaupt gerechtfertigt ist.Denn Dumping gibt es nur dann, wenn ein Unternehmen seine Produkte zu einem Preis anbietet, der unter den variablen Durchschnittskosten liegt.Das wäre eine bewußte Wettbewerbsverzerrung.

TAGESSPIEGEL: Ein niedrigerer Preis als der bei der Konkurrenz reicht nicht?

DONGES: Ein deutlich niedrigerer Preis kann allenfalls ein Hinweis darauf sein, daß jemand Dumping betreibt.Aber er kann auch bedeuten, daß ein Anbieter wettbewerbsfähiger ist als die Konkurrenten.

TAGESSPIEGEL: Dann dürfte es nicht leicht sein, jemanden des Dumpings zu überführen?

DONGES: Der Preisvergleich allein beweist jedenfalls nichts.Schließlich vergleicht jeder Verbraucher die Preise zwischen zwei Gemüseläden und geht dann zum günstigeren Anbieter.Und trotzdem kommt das teurere Geschäft nicht auf die Idee, dem anderen Dumping vorzuwerfen.

TAGESSPIEGEL: Wieso ist Anti-Dumping-Politik denn so gefährlich?

DONGES: Anti-Dumping-Zölle sind auf dem Vormarsch.Sie sind das Einfalltor in den Protektionismus.Bei allen protektionistischen Maßnahmen sind Vergeltungsreaktionen möglich.Dieser Prozeß setzt eine Spirale in Gang.

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