Wirtschaft : Einzelhandel: 5000 Läden sind bedroht - Konzentration im Handel nutzt Verbrauchern nur kurzfristig

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Der Einzelhandel goes global: 1997 übernimmt der US-Konzern Wal-Mart die deutschen Wertkauf-Einkaufszentren, gleich im nächsten Jahr sind 74 Interspar-Märkte fällig. Ein Konzentrationsprozess wird ausgelöst, der den Einzelhandel bis heute verändert. Inzwischen beherrschen die 30 größten Unternehmen der Branche 98 Prozent des Marktes. Gewinner des Konzentrationsprozesses sind zunächst die Kunden. Die Fusionswelle bringt umsatzstarke Konzerne hervor, die sich in einen brutalen Preiskampf stürzen können. Auch in diesem Jahr purzelten die Preise zur Freude der Konsumenten weiter. In den ersten fünf Monaten verbilligten sich Lebensmittel zwischen 1,1 Prozent und 1,7 Prozent.

Doch der Preiskampf hat nicht nur Gewinner. "Letztendlich werden wir alle die Verlierer sein", sagt Holger Wenzel, Hauptgeschäftsführer vom Einzelhandelsverband (HDE) in Berlin. "Ich schätze den Verlust an Einnahmen auf über eine Milliarde Mark insgesamt", so Wenzel. Doch während ein umsatzstarker Konzern wie Wal-Mart oder ein Kostenführer wie Aldi einen solchen Verlust hinnehmen können, geht es den Kleineren der Branche an den Kragen. "Etwa 5000 mittelständische Einzelhandelsgeschäfte werden in ein bis drei Jahren über die Wupper gehen", schätzt Wenzel. Betroffen sind nicht nur Tante-Emma-Läden. "Auch bei Tengelmann und Spar mache ich ein Fragezeichen", so Wenzel. Schwer würden es zudem die selbstständigen "Outlets" größerer Gruppen, wie Rewe und Metro, haben. "Bei Rewe sind das immerhin 40 Prozent der 10 000 Filialen", sagt Wenzel. Spätestens dann, wenn nur noch wenige Konzerne den Markt beherrschen, wird auch der Kunde zu den Verlierern gehören.

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