Wirtschaft : Einzelhandel: Prinzip Hoffnung (Kommentar)

Bernd Frank

Im Einzelhandel herrscht nur noch das Prinzip Hoffnung. Nach dem schwachen Einzelhandelsjahr 1999, das mit einem Plus von 0,7 Prozent noch schlechter ausgefallen war als 1998, ist auch im laufenden Jahr bisher noch keine Besserung eingetreten. Der Aufschwung geht bislang an der Branche praktisch spurlos vorüber. Wenn die Verbraucher einmal etwas mehr Geld im Portemonnaie haben, geben sie es für andere Dinge aus. Während früher noch rund die Hälfte der Verbraucherausgaben in den Kassen des Einzelhandels landeten, sind es heute gerade mal noch ein Drittel.

So bleiben der Branche nur noch einige Fünkchen Hoffnung. Neben einer möglicherweise doch noch eintretenden Belebung durch den Aufschwung ist dies vor allem die Steuerreform. Wie andere Wirtschaftsverbände übt auch der Einzelhandel zwar Kritik am bisherigen Konzept der Regierung, aber die Angst vor einem gänzlichen Scheitern ist noch größer. Der Appell der Wirtschaft zu einer Einigung ist angesichts der verheerenden Signalwirkung, die ein Scheitern der Reform im In- und Ausland hätte, nur zu verständlich. Ein weiterer Hoffnungsfunke entspringt einer möglichen Ausweitung der Ladenöffnungszeiten. Die Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels - das sind vor allem die Warenhäuser - wollen eine weitere Lockerung und beschweren sich zu Recht über Sonderregeln, die Tankstellen und Bahnhöfe besser stellen als die klassischen Einzelhändler. Allerdings wäre umgekehrt die geforderte Privilegierung des Einzelhandels in Innenstädten ebenfalls eine Wettbewerbsverzerrung. Wenn man, wie dies nun die Verbandsvertreter tun, Chancengleichheit fordert, sollte die auch wirklich für alle gelten.

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