Elektro-Smarts : Daimler unter Strom

Daimler startet in Berlin seine elektrische Smart-Flotte. Am Donnerstag übergab Konzernchef Dieter Zetsche die ersten beiden von insgesamt 100 batteriebetriebenen Kleinwagen an private Kunden.

Henrik Mortsiefer
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Elektrisiert. Daimler-Chef Dieter Zetsche (l.) und der RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann am Donnerstag in Berlin. Foto: dpadpa-Zentralbild

Berlin - Daimler startet in Berlin seine elektrische Smart-Flotte. Am Donnerstag übergab Konzernchef Dieter Zetsche die ersten beiden von insgesamt 100 batteriebetriebenen Kleinwagen an private Kunden. Für 700 Euro im Monat können ab sofort ausgewählte Berlinerinnen und Berliner den E-Smart leasen. Der Stromkonzern RWE liefert den Strom – wahlweise an einer der derzeit 70 im Stadtgebiet verteilten Ladestationen oder einer Ladebox für zu Hause. In den ersten 18 Monaten sind die Kosten für den Strom, der aus regenerativen Quellen stammen soll, in der Leasingrate enthalten.

RWE will künftig 500 öffentliche Zapfsäulen in der Bundeshauptstadt aufstellen. Die Fahrzeuge gehören zur neuesten Generation des Elektro-Smart, den Daimler seit November in einer Kleinserie von zunächst 1000 Stück produziert. Daimler will das Auto 2010 in acht Ländern an Kunden ausliefern, 2012 soll die Großserienproduktion beginnen.

Nach BMW ist Daimler der zweite deutsche Autohersteller, der in Berlin einen groß angelegten Praxisversuch mit Elektroautos unternimmt. BMW lässt seit einem halben Jahr in Zusammenarbeit mit Vattenfall 50 E-Minis durch Berlin rollen. Umweltschützer kritisieren, dass Autohersteller und Versorger bei der CO2-Bilanz der E-Autos trickreich rechnen. Angesichts des deutschen Strommixes, der überwiegend auf Kohleenergie setzt, falle die tatsächliche CO2-Bilanz der Batterieautos schlechter aus. RWE-Chef Jürgen Großmann räumte am Mittwoch ein, dass der Anteil erneuerbarer Energieträger bei dem Essener Konzern nur bei fünf Prozent liege.

„Eine gute Geschäftsbilanz wird es in Zukunft nur mit einer immer besseren CO2-Bilanz geben“, begründete Daimler-Chef Zetsche das Engagement des Stuttgarter Autokonzerns. Während auf dem Kopenhagener Klimagipfel Diplomaten gefragt seien, müsse die Industrie die besten Ingenieure ins Rennen schicken. Nötig sei aber die Rückendeckung der Politik, weil die Batterietechnik noch viel zu teuer sei. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bekräftigte das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen. Dafür stelle der Bund Fördermittel in Höhe von 500 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir müssen Gas – besser: Strom – geben“, sagte Brüderle.

Zetsche warnte vor zu großen Hoffnungen: „Bei allen Fortschritten wird die Reichweite batteriebetriebener Autos aus heutiger Sicht begrenzt bleiben.“ Auch der Smart hat trotz leistungsstarker Lithium-Ionen-Batterien nur eine Reichweite von 135 Kilometern. Nach dreieinhalb Stunden Ladezeit soll die Batterie zu 80 Prozent wieder geladen sein.

Daimler hat bei seiner CO2-Bilanz im europäischen Vergleich großen Nachholbedarf. Nach Zahlen der europäischen Umwelt-Dachorganisation Transport & Enviroment lag die Flotte des Autohersteller 2008 mit durchschnittlich 175 Gramm CO2 je Kilometer auf dem letzten Platz 14. Zwar hat Daimler Fortschritte gemacht, der Wettbewerber BMW tut aber deutlich mehr. Die Münchner stehen in Europa mit 154 Gramm auf Platz neun. Der Durchschnitt liegt in Europa bei 153,5 Gramm.

Um das Segment der emissionsarmen Kleinwagen auszubauen, suchen deutsche Hersteller die Kooperation mit ausländischen Autobauern. Volkswagen stieg unlängst bei Suzuki ein. Daimler führt dem Vernehmen nach fortgeschrittene Gespräche über eine enge Zusammenarbeit mit Renault. Es gehe unter anderem um Motoren, Getriebe und Plattformen, sagte der bei dem französischen Konzern für das Tagesgeschäft zuständige Vorstand Patrick Pelata am Donnerstag. „Wir diskutieren ernsthafte Themen mit Daimler“, ergänzte er.

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