Elektroindustrie : Siemens gibt SIS an Atos Origin ab

Siemens hat eine Lösung für seine jüngst ausgegliederte und notorisch defizitäre IT-Sparte SIS gefunden. Der französische IT-Dienstleister Atos Origin soll SIS übernehmen, wie der Technologiekonzern am Dienstagabend überraschend in München mitteilte.

Zugleich steigt der Dax-Konzern Siemens bei Atos ein und versorgt die Franzosen mit einem satten Auftrag in Höhe von 5,5 Milliarden Euro für IT-Dienstleistungen in den nächsten sieben Jahren. Siemens kostet der Deal unter dem Strich Geld: "Insgesamt rechnet Siemens mit einer deutlich negativen Ergebniswirkung im Geschäftsjahr 2011."

Ziel sei es, ein führendes IT-Unternehmen in Europa zu schaffen. Atos und SIS kommen zusammen auf einen Umsatz von 8,7 Milliarden Euro und fast 79.000 Mitarbeiter. Siemens bezifferte den Wert des eingebrachten Geschäfts auf 850 Millionen Euro. Das neue Unternehmen soll nächstes Jahr den Umsatz steigern und auf eine operative Marge von sechs Prozent kommen. SIS - nach Einbrüchen zuletzt noch mit Erlösen von 4,2 Milliarden Euro - ist seit längerem eines der größten Sorgenkinder von Siemens. 2013 soll Atos mit SIS dann auf einen Umsatz von neun bis zehn Milliarden Euro kommen und eine Marge von sieben bis acht Prozent erreichen.

Siemens steigt bei den Franzosen mit 15 Prozent der Aktien ein und will mindestens fünf Jahre als Miteigentümer an Bord bleiben. "Im Zuge der Transaktion erhält Siemens rund 12,5 Millionen neue Aktien von Atos Origin mit einem aktuellen Wert von 414 Millionen Euro sowie eine fünf Jahre laufende Wandelanleihe über 250 Millionen Euro und eine Zahlung von rund 186 Millionen Euro in bar", hieß es. Dem Deal müssen noch die Kartellbehörden und die Atos-Aktionäre zustimmen. Im Juli 2011 soll die Transaktion abgeschlossen sein.

Auf die Beschäftigten kommen weitere Belastungen zu: Zusätzlich könnten 1750 Jobs bei SIS wegfallen, davon 650 in Deutschland, hieß es. Siemens hatte bisher den Abbau von 4200 der 35.000 SIS-Stellen angekündigt. Die Münchner stellen 250 Millionen Euro für die Integration und Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung. (rtr/dpa)

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