Wirtschaft : Elektromobil auch ohne Flügel

Wie sich Daimler zwischen Supersportwagen und E-Smart aufstellt.

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Noch kein Geschäft.
Noch kein Geschäft.

Dass Elektrofahrzeuge keine ökologischen „Verzichtsmobile“ sein müssen, beweist Mercedes mit einem spektakulären Auto: Gleich zwei Modelle seines Supersportwagens Mercedes-Benz SLS AMG Coupé Electric Drive brachte Daimler am Donnerstag zum Tagesspiegel-Summit mit. Die Flügeltürer zeigen, was designtechnisch möglich ist. Alltagstauglich sind die Rennwagen aber nur für Millionäre. „Zugegeben: Der SLS kostet mehr als eine Runde Autoscooter“, sagte Daimler- Chef Dieter Zetsche auf dem Summit. Der Wagen zeige aber, dass E-Mobilität faszinieren könne. „Und das ist wichtig.“

Am anderen Ende seiner Modellpalette bietet der Daimler-Konzern den Kleinwagen Smart als batteriebetriebenes Elektrofahrzeug an. Weil die deutsche Konkurrenz erst Ende des Jahres mit eigenen E-Autos auf den Markt kommt, hat Smart aktuell einen Marktanteil von 40 Prozent. Rund 6000 Einheiten wolle man 2013 verkaufen, sagte Zetsche. 2014 strebt der Hersteller eine „zweistellige Zahl“ an. Vorausgesetzt, die Batterien, die Daimler zusammen mit Evonik in seinem Werk im sächsischen Kamenz produziert, lassen sich in ausreichender Zahl herstellen. Das ist bislang nicht der Fall, weshalb Kunden derzeit einige Monate auf die Lieferung ihres Smart Electric Drive warten müssen. Zetsche räumte ein, dass es „Anlaufprobleme“ gegeben habe, an denen gearbeitet werde. „Wir sind nahe an den Stückzahlen, die wir haben wollen.“

Von einem Run auf E-Autos kann auf dem Automarkt insgesamt keine Rede sein. „In Sachen Elektroauto ist der politische Wille im Moment eindeutig stärker als die Kundennachfrage“, sagte Zetsche. „Aber politischer Wille ist noch kein Geschäftsmodell.“ Auch Daimler verdient mit dem E-Smart noch kein Geld. Gleichzeitig investiert das Unternehmen – wie die Konkurrenz – Milliarden in neue Antriebstechnologien. Etwa die Hälfte des jährlichen Investitionsbudgets von zehn Milliarden Euro. Aus einem paradox klingenden Grund: Weil der überaus erfolgreiche Verbrennungsmotor „seine eigene Abschaffung finanzieren muss“, wie der Daimler-Chef am Donnerstag sagte.

Diese Abschaffung bereitet vor allem den Gewerkschaften große Sorgen. „Es geht nicht nur um Produkte und Klimaschutz, sondern um die Sicherung von Millionen Arbeitsplätzen“, sagte der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber. 750 000 direkt Beschäftigte in 1000 Betrieben zählt die deutsche Autoindustrie, weiter gefasst sind es 3,5 Millionen. Weil sich die Wertschöpfungsketten und Produktionsweisen bei Elektroautos aber radikal ändern, sind Qualifizierung und Weiterbildung nötig. „Damit die Wertschöpfung auch in Deutschland bleibt“, sagte Huber. Hier geschehe in den Großunternehmen bereits viel, in den kleinen und mittleren Betrieben dagegen viel zu wenig. „Wir brauchen für zahlreiche Menschen eine qualifizierte Alternative und weniger Niedriglöhner.“

Handlungsbedarf sieht die IG Metall vor allem im Mittelstand, bei den Zulieferern, Handwerkern und Händlern. „In der Breite passiert beim Thema Qualifizierung zu wenig.“ Hier sei auch der Staat gefordert, der Programme auflegen und privates und öffentliches Geld mobilisieren müsse. „Aus eigener Kraft werden es viele Betriebe nicht schaffen“, warnte Huber. An den Erfolg der Elektromobilität glaubt der IG-Metall-Chef, der im Lenkungskreis der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) sitzt, gleichwohl.

Da sind sich der Gewerkschafter und Daimler-Chef Zetsche einig: Trotz aller noch offenen Fragen der Elektromobilität sei die Technologie reif, sagte Zetsche. „Und der Markt kann es bald werden“, glaubt er. „Die Frage ist also nicht mehr ob, sondern wann sich das Elektroauto durchsetzt.“ Würden Kaufprämien das Geschäftsmodell beschleunigen? Zeitlich begrenzt könne er sich Prämien als sinnvolle Brücke zum Massenmarkt vorstellen, sagte Zetsche. Henrik Mortsiefer

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