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Elektromobilität : Shai Agassi nimmt Anlauf aufs Schaufenster

13.02.2012 00:00 Uhrvon
Zielstrebig. Shai Agassi, Gründer und Chef von Better Place, vor einem Jahr in Tel Aviv vor einem Auto seines Partners Renault.Bild vergrößern
Zielstrebig. Shai Agassi, Gründer und Chef von Better Place, vor einem Jahr in Tel Aviv vor einem Auto seines Partners Renault. - Foto: REUTERS

Der Bund will in bis zu fünf Regionen Elektromobilität subventionieren. Auch die US-Firma von Shai Agassi will profitieren.

Er gilt als brillanter Verkäufer, als Visionär. Sein Respekt für deutsche Ingenieurleistungen ist dagegen wenig ausgeprägt. Und jetzt geht der frühere SAP-Vorstand Shai Agassi mit seinem US- Unternehmen Better Place sogar auf direkten Konfrontationskurs mit den Großen der deutschen Autobranche.

Es geht um Subventionen von 180 Millionen Euro: Nächsten Monat entscheidet die Bundesregierung, welche drei bis fünf Regionen als „Schaufenster für Elektromobilität“ gefördert werden.

23 Bewerbungen liegen vor, darunter die für einen „Nordkorridor“ zwischen Berlin und Flensburg. Die Bewerbung stammt von der Projektmanagementfirma Drees & Sommer aus Stuttgart, aber dahinter steht Better Place.

Der „Nordkorridor“ sieht acht bis zwölf Batteriewechselstationen vor. Eine Erweiterung bis Kopenhagen ist angedacht. Zu dem Konsortium gehören 50 Partner, darunter auch die Autohersteller Opel und Tesla sowie Zulieferer wie Continental, Bosch und Mennekes. Better Place will in der Heimat der Autobahn zeigen, wie sich das größte Problem der Elektroautos lösen lässt: mangelnde Reichweite und lange Ladezeiten.

Die Antworten der deutschen Autohersteller, egal ob Daimler, Volkswagen, BMW oder Opel, sind technologisch: Leichtbau mit Karbon, Kunststoff oder Aluminium, neuartige Batterien und Ladetechnologien, zusätzliche Benzinmotoren oder gar spezielle Reifen.

Shai Agassi, 1968 in Israel geboren, will das Problem über die Infrastruktur lösen: Ist die Batterie alle, tauscht man sie in einer Wechselstation aus. Fertig. Binnen weniger Minuten funktioniert das. Das Auto selbst ist in diesem Modell kein technologischer Meilenstein. Es hat einen simplen Elektromotor, dazu die Batterie. Ein Getriebe braucht es nicht. Solche Autos gab es so ähnlich schon vor 100 Jahren.

Rolf Schumann, Deutschland-Chef von Better Place, appelliert an die Bundesregierung, dem Projekt eine Chance zu geben. „Es sollte nicht nach industriepolitischem oder ideologischem Gutdünken entschieden werden, sondern es muss darum gehen, bei der Elektromobilität in Deutschland einen entscheidenden Sprung nach vorne zu machen, um Leitmarkt zu werden. Ohne größere Reichweiten und die Lösung der Ladeproblematik wird das nicht gehen, und dafür bieten wir eine Lösung.“ Better Place sei der einzige Anbieter mit Batterie-Wechselsystem, deswegen solle diese Technologie auch in Deutschland geprüft werden.

Die Chancen für einen Durchmarsch stehen allerdings nicht besonders gut. Zwar behauptet Better Place, auch die Vorgabe zu erfüllen, deutsche Gebietskörperschaften eingebunden zu haben, nämlich Flensburg, Schwerin sowie Hamburg und Berlin über Kooperationen. Doch in Berlin will man von einer förmlichen Kooperation bisher nicht sprechen.

Hinzu kommt eine sehr heikle politische Gemengelage. Nur drei bis fünf Regionen sollen zum Zuge kommen, damit sind Niederlagen von profilierten Politikern in Ländern und Kommunen programmiert.

Berlin als Hauptstadt gilt als gesetzt, auch wenn wohl nicht alle 35 Einzelprojekte mit einem gewünschten Gesamtfördervolumen von 165 Millionen Euro durchgehen. Schließlich wäre dann schon fast der gesamte Etat des Bundes verbraucht. Aber Berlin hat mehr als 250 Partner mobilisiert, darunter alle deutschen Autohersteller und die Energieversorger Vattenfall, RWE und Eon.

Favoriten sind auch Baden-Württemberg und Bayern mit ihrer starken Autoindustrie im Rücken. Aber dann gehen die Probleme los: Zwar ist Sachsen bei der Bewerbung Bayerns mit dabei, aber ginge das als ausreichende Berücksichtigung des Ostens durch? Wenn nicht, könnte die gemeinsame Bewerbung von Sachsen-Anhalt und Thüringen ins Spiel kommen.

Auch Wolfsburg, als Teil einer sogenannten Metropolregion, zu der auch Hannover, Braunschweig und Göttingen gehören, muss wohl dabei sein, schließlich ist der dort ansässige Volkswagen-Konzern der größte Autohersteller Europas. Aber dürfen Hessen und Hamburg leer ausgehen? Die landsmannschaftlichen Hintergründe der vier beteiligten Bundesminister sprächen dafür: Peter Ramsauer (Verkehr/CSU) steht für Bayern, Norbert Röttgen (Umwelt/CDU) für Nordrhein-Westfalen, Philipp Rösler (Wirtschaft/FDP) für Niedersachsen und Annette Schavan (Forschung/CDU) für Baden-Württemberg. Doch vielleicht darf es genau deswegen gerade nicht so kommen?

Hinter allem steht das erklärte Ziel der Bundesregierung, dass bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen rollen sollen. Das soll ohne direkte Kaufanreize erreicht werden. Aktuell sind mehr als 42 Millionen Pkw zugelassen, und nur einige tausend haben einen reinen Elektroantrieb. Die Technologie wird also noch auf Jahre ein Nischenthema bleiben. Die anstehende Schaufenster-Entscheidung ist ein Politikum, und das weiß natürlich auch Better Place.

Doch selbst wenn das US-Unternehmen jetzt nicht direkt zum Zuge käme, müsste es sich nicht aus Deutschland verabschieden. So zeigt sich der Chef der Berliner Agentur für Elektromobilität (Emo), Gernot Lobenberg, durchaus aufgeschlossen. „Bei der Umsetzung der Schaufensterprojekte sind auch veränderte Konstellationen und ganz neue Projekte denkbar“, sagt er dem Tagesspiegel. „Wir würden in Berlin gerne Wechselstationen mit Taxis ausprobieren und können uns gut vorstellen, dabei mit Better Place zusammenzuarbeiten.“ Denn bisher kommen Taxis in Lobenbergs Schaufenster-Repertoire für die Touristenmetropole gar nicht vor.

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