Elektromobilität : TU-Präsident: Wowereit braucht Nachhilfe

Berlin ist das internationale Schaufenster für Elektromobilität der Bundesregierung. Es wird viel geforscht - aber wenig ist zu sehen. Die Technische Universität will das ändern.

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Angeschlossen. In Berlin sollen schon 2015 rund 100.000 E-Fahrzeuge unterwegs sein.
Angeschlossen. In Berlin sollen schon 2015 rund 100.000 E-Fahrzeuge unterwegs sein.Foto: dpa

Der schleppende Fortschritt der Elektromobilität in der Hauptstadtregion ärgert Forscher und Wissenschaftler in Berlin. „Wir sind nicht mehr die Schrittmacher“, sagte Jörg Steinbach, Präsident der Technischen Universität (TU), am Dienstagabend. Zwar sei die Region von der Bundesregierung zum internationalen Schaufenster der Elektromobilität erklärt worden. Die Strahlkraft lasse aber zu wünschen übrig. „Wir befinden uns in einem typischen Berliner Umfeld“, sagte Steinbach bei einer TU-Veranstaltung. „Professionell ist man hier darin, sich selbst im Weg zu stehen.“

Mit Blick auf die Berliner Verwaltung kritisierte der TU-Präsident insbesondere das mangelnde Engagement des Regierenden Bürgermeisters. „Klaus Wowereit braucht noch ein bisschen Nachhilfeunterricht“, sagte Steinbach. Wer wie der Regierende seine Unterstützung daran knüpfe, dass die Elektromobilität nicht teurer sein dürfe als herkömmliche Antriebs- und Verkehrssysteme, verkenne die Chancen der neuen Technologie. „Es muss investiert werden“, sagte Steinbach.

Die TU ist mit ihrem 2010 gegründeten Forschungsnetzwerk Elektromobilität an 13 von 29 Schaufensterprojekten beteiligt, wie der Koordinator des Netzwerkes, Dietmar Göhlich, sagte. 24 Fachgebiete liefern ihr Know-how, um die vielen Aspekte der Elektromobilität zu erforschen – mit dem Ziel, sie alltagstauglich zu machen. Das Spektrum reicht von Speichertechnologien über die Ladeinfrastruktur bis zu Fahrzeugkonzepten. Göhlich warnte vor zu großer Ungeduld: „Wir müssen an den Universitäten Vordenker sein“, sagte der ehemalige Daimler-Ingenieur. „Das heißt auch, dass wir Dinge verwerfen dürfen, die nicht funktionieren.“

Dass vieles von dem, was die Wissenschaftler erforschen, den Weg in die Praxis findet, zeigte Frank Straube, Leiter des TU-Fachgebiets Logistik. Im Schaufensterprojekt „Smart e-User“ wird der Einsatz der Elektromobilität im Wirtschaftsverkehr der Hauptstadt erprobt. Mit Partnern wie DHL, Dekra oder dem Pflegedienstleister Mediavita werden reale Geschäftsprozesse auf die Bedingungen der Elektromobilität umgestellt, Nutzerprofile erstellt und das Management der Elektroflotten getestet. Gerade in Berlin gibt es einen großen Bedarf an sauberer, vernetzter Logistik. „Fast 80 Prozent des Wirtschaftsverkehrs wird nicht von Speditionen, sondern von Unternehmen selbst organisiert“, sagte Straube. „Bei einer Auslastung von weniger als 40 Prozent.“

Die Regierung sieht sich derweil bei der Förderung der Elektromobilität im Plan: „Wir sind dabei, die zweite Stufe der Rakete zu zünden“, sagte Peter Sallandt, Leiter der Gemeinsamen Geschäftsstelle Elektromobilität der Bundesregierung. Am Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen, halte man fest. Für Berlin bedeutet das: Schon 2015 müssten 10.000 E-Mobile hier unterwegs sein.

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