Wirtschaft : Elitekind

Sabine Beikler

Je größer der Gegner, desto besser: So könnte das Lebensmotto von Gregor Gysi heißen. Jens König hat die erste Biografie über ihn geschrieben. Gysi selbst lehnte Interviews ab. Er, der mehrere Autobiografien schrieb, findet eine Biografie zu Lebzeiten nicht angemessen.

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Diese Distanz hat dem Buch nicht geschadet. König arbeitet sorgfältig, manchmal fast zu detailversessen. Die Familiengeschichte nimmt 150 Seiten ein. Gregor, ein „privilegierter Außenseiter“, ist mit 24 jüngster Rechtsanwalt der DDR. Der Autor beschreibt Gysis „Fälle“ Bahro und Havemann und widmet sich auf 40 Seiten den IM-Vorwürfen, um zur Conclusio zu kommen: in dubio pro reo. Das Buch erklärt vor allem „West-Lesern“ die DDRNomenklatura und die Zerrissenheit vieler Kinder aus der DDR-Elite. Zu kurz kommt der Blick auf den „zeitgenössischen“ Gysi. Das Projekt Linkspartei, so König, sei Gysis letzte Chance zu beweisen, dass er kein überschätzter Politiker ist, sondern eine „politische Ausnahmeerscheinung“.

Jens König: Gregor Gysi. Eine Biographie. Rowohlt, Berlin. 352 Seiten, 19,90 €.

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