Wirtschaft : EM.TV: Könnte Leo Kirch der weiße Ritter sein?

Thomas Magenheim

Leo Kirch hat in seinem Leben schon viele Rollen gespielt. Die eines "weißen Ritters" wäre eine Premiere. Als ein solcher Retter wird der Medienkaufmann jetzt bei EM.TV gehandelt. Selbstlos wäre ein Einstieg von Kirch beim in Not geratenen Konkurrenten jedoch nicht. Der alte Fuchs wolle damit vor allem seine Beteiligung am Projekt Junior TV retten, schätzte ein Analyst die Lage ein. Der Handel mit TV-Rechten für Kinderfilme sei die einzige Ertragsperle bei EM.TV und auch für Kirch eine wichtige Gewinnquelle. Der Bestand an EM.TV-Kinderfilmrechten sei außerdem verstärkt auch für Kirch-Sender wie Sat 1 oder Pro 7 nutzbar. Branchenkenner meinen zudem, dass eine Übernahme von EM.TV ein positives Signal an die Investoren für den Börsengang der Kirch-Kerngesellschaft Kirch Media sein könne, der für die zweite Jahreshälfte 2001 geplant ist. Denn neben Junior TV seien auch die Merchandising-Aktivitäten von EM.TV für Kirch interessant.

Bei einem Schulterschluss zwischen Kirch und der am Neuen Markt notierten EM.TV kämen nach dem Vorbild von Time Warner und AOL zwei Unternehmen aus alter und neuer Wirtschaft zusammen, was die Fantasie der Anleger positiv anregen könne.

Formel 1-Dachfirma belastet

Ein solcher Schritt birgt jedoch auch Gefahren. Viele EM.TV-Unternehmensteile würden im Fall einer Übernahme auch für Kirch eine erhebliche Belastung bedeuten, gab ein Bankanalyst zu bedenken. Als Beispiel nannte er die 50-prozentige Beteiligung von EM.TV an der Formel 1-Dachgesellschaft Slec, die bei Kirch noch deplatzierter sei als bei EM.TV und zudem weitere Zahlungsverpflichtungen in Milliardenhöhe nach sich ziehen könne. Neben der Slec sei ferner die jüngst von EM.TV übernommene Muppet-Firma Jim Henson Company bisher ein Verlustbringer, was sich durch einen bloßen Wechsel der Eigentümer nicht ändere. Weiter seien kartellrechtliche Probleme zu befürchten wegen der EM.TV-Beteiligungen an der Tele-München-Gruppe und der Constantin Film AG, an der auch Kirch Anteile hält.

"Kirch müsste bei EM.TV viel liquidieren, wenn er unternehmerische Vernunft walten lässt", urteilte ein Bankanalyst. Das sei nicht einfach, zumal in Fällen wie der Slec bestehende Verträge einem raschen Schnitt entgegenstünden. Offen sei auch, wie Kirch, der durch sein Geschäft im Bezahlfernsehen finanziell stark belastet ist, einen EM.TV-Einstieg finanzieren wolle.

Dementiert hat die Münchner Mediengruppe mittlerweile, dass dafür Kirchs Springer-Anteile mit einem Marktwert von rund 2,4 Milliarden Mark verkauft würden. Ein Magazin hatte den Medienunternehmer Rupert Murdoch als potenziellen Käufer für die 40 Prozent der Springer-Aktien genannt. Ein solcher Verkauf sei gar nicht möglich, weil das Aktienpaket längst für Banken als Sicherheit für Kredite verpfändet sei, heißt es in Branchenkreisen.

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