Wirtschaft : EM.TV kommt aus roten Zahlen nicht heraus

Umbau des Medienkonzerns dauert länger als erwartet / Rückzahlung von Wandelanleihe ist „nicht gesichert“

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Unterföhring (nad). Das krisengeplagte Medienunternehmen EM.TV hat auch im vergangenen Jahr wieder tiefrote Zahlen geschrieben. Der Vorstand hat außerdem seine Prognose zurückgenommen, wonach EM.TV im kommenden Jahr wieder den Sprung in die Gewinnzone schaffen soll. „Wir haben substanzielle Verluste erlitten und müssen nun wegen hausgemachter Probleme restrukturieren“, sagte Vorstandschef Werner Klatten am Montag bei der Vorlage der Bilanz in Unterföhring bei München. Klatten rechnet jedoch damit, dass der seit längerem geplante Verkauf oder Teilverkauf der USTochter Jim Henson Company („Muppet- Show“) bis Ende April über die Bühne gegangen ist, und hofft, dass er den Zuschlag für den Einstieg beim Sportsender DSF bekommt.

Seit seinem Amtsantritt im Herbst 2001 versucht Klatten, das einst am Neuen Markt gefeierte Unternehmen auf das Kerngeschäft zurechtzustutzen und wieder profitabel zu machen. EM.TV war im Zuge der Krise der New Economy und infolge des Zusammenbruchs des Kirch-Imperiums tief in die roten Zahlen gestürzt.

Das Unternehmen machte 2002 einen Verlust von 310 Millionen Euro nach 374 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz brach wegen des Verkaufs von Beteiligungen von 721,6 auf 249,9 Millionen Euro ein. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) verbuchte EM.TV dagegen einen Gewinn von 8,4 Millionen Euro (2001: 7,2 Millionen Euro). Wie bereits in den beiden Vorjahren sei das Konzernergebnis vor allem durch hohe außerplanmäßige Abschreibungen auf Vermögenswerte geprägt gewesen, erklärte Klatten. Allein 195,8 Millionen Euro der Wertberichtigungen seien auf die Abschreibung des 16,7-Prozent-Anteils an der Formel 1 entfallen. Nach einem monatelangen Streit um die Beteiligung hatte EM.TV das Paket im Februar für 8,5 Millionen Euro an die Bayerische Landesbank verkauft.

Neben Problemen mit Altlasten wie der Formel 1 kämpft EM.TV im operativen Geschäft gegen die Branchenflaute an. „Wir spüren bei Merchandising-Produkten eine stark gesunkene Konsumbereitschaft“, sagte Marketing-Vorstand Rainer Hüther. Deshalb rechnet EM.TV erst 2004 wieder mit einem deutlichen Aufschwung. Eine Prognose für 2003 wollte EM.TV nicht wagen.

Auch die für 2004 geplante Rückkehr in die Gewinnzone steht nach Angaben Klattens in Frage. Das Unternehmen sei noch mitten in der Restrukturierung, diese werde voraussichtlich ein Jahr länger als geplant dauern und nicht vor Ende 2004 abgeschlossen sein. Größter Teil der Restrukturierung ist der geplante Teil- oder Komplettverkauf der US-Tochter Jim Henson. „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir bis Ende April einen Abschluss haben werden“, sagte Klatten. Zuletzt war vor wenigen Wochen ein Vorvertrag über den Verkauf mit einer US-Investorengruppe geplatzt. EM.TV muss die Beteiligung dringend verkaufen, um liquide zu bleiben. Das Eigenkapital des Unternehmens ist bis Ende 2002 von 465,7 auf 129,9 Millionen Euro zusammengeschmolzen. Zudem wird Ende April die letzte Rate eines Bankkredits von 25 Millionen Euro fällig.

Im Zuge der Restrukturierung plant EM.TV auch, seinen Anteil an Junior TV aufzustocken. Damit will der Konzern sein Kerngeschäft Kinder- und Jugendunterhaltung stärken. Daneben will EM.TV künftig verstärkt auf die Vermarktung von Sportereignissen setzen. Den Erwerb der Vermarktungsrechte für Lizenzprodukte der Fußball-WM 2006 bezeichnete Klatten als „Meilenstein für die strategische Neuausrichtung“. Er zeigte sich zuversichtlich, noch im April die Verhandlungen um den Einstieg ins DSF abzuschließen. EM.TV bietet zusammen mit dem Konzern Karstadt-Quelle und einem Schweizer Geschäftsmann um den Kirch-Sender.

EM.TV steht bei seiner Restrukturierung stark unter Druck: Bis Februar 2005 muss das Unternehmen eine vor drei Jahren begebene Wandelanleihe über 469 Millionen Euro zurückzahlen. Klatten räumte ein, dass die Rückzahlung der Wandelanleihe „aus heutiger Sicht nicht gesichert“ sei.

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