Wirtschaft : EM.TV: Spekulationen treiben die Aktie des Münchner Medienkonzerns

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Ein angebliches Gegenangebot zum Einstieg des Kirch-Konzerns bei EM.TV hat der Aktie des angeschlagenen Münchner Medienunternehmens am Freitag einen Höhenflug beschert. Das EM.TV-Papier legte zeitweise 60 Prozent auf bis zu 10,20 Euro zu. Im Tagesverlauf begrenzten sich die Kursgewinne dann wieder etwas. Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, eine Gruppe "aus internationalen Unternehmern" führe intensive Gespräche mit Formel-Eins-Chef Bernie Ecclestone. Dabei solle Ecclestone zum Verzicht auf sein Recht bewegt werden, im Mai einen milliardenschweren Anteil an der Formel-Eins-Holding SLEC an EM.TV zu verkaufen. Dies würde EM.TV finanziell entlasten.

Ein Sprecher der Kirch-Gruppe bezeichnete den Bericht der "Financial Times Deutschland" als "nebulös". Es habe bereits vor einigen Tagen geheißen, dass Gegenangebote vorliegen. Man wisse nicht, was dahinter stecke. Es könne Verhandlungstaktik sein. EM.TV gilt wegen seiner Formel-Eins-Beteiligung als interessanter Übernahmekandidat. Bereits in den vergangenen Wochen hatte EM.TV erklärt, es gebe auch andere Angebote. Derzeit verhandle man aber exklusiv mit der Kirch-Gruppe. Ecclestone hatte mit EM.TV-Chef Thomas Haffa vereinbart, dass Ecclestone im Mai weitere 25 Prozent der Holding für eine Milliarde Dollar an EM.TV abgeben kann. Haffa fehlen derzeit aber die Mittel dazu.

"Kirchs Verhandlungsposition ist nicht so stark, wie es immer dargestellt wird", sagt Bernard Tubeileh, Analyst bei Merrill Lynch. Es gebe auch viele andere Kandidaten, für die eine Übernahme von EM.TV interessiert sein könnte: Medienkonzerne, Telekommunikationsunternehmen und Finanzinvestoren. Den Kursausschlag am Freitag erklärt er wie auch Roland Pfänder von der BHF Bank damit, dass vor allem spekulative Käufer am Markt agieren. Pfänder hält Kirchs 550-Millionen-Dollar-Angebot für sehr gering. Es sei wahrscheinlich, dass andere Investoren, die allein an den Formel-Eins-Anteilen interessiert seien, mehr bieten als Kirch. "EM.TV pokert, damit Kirch sein Angebot nachbessert", sagt Pfänder.

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