Wirtschaft : EM.TV: Vorstandschef Thomas Haffa vor dem Rücktritt

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Der Vorstandschef des angeschlagenen Medienkonzerns EM.TV, Thomas Haffa, räumt nach übereinstimmenden Informationen aus Branchenkreisen seinen Posten. EM.TV kommentierte die Gerüchte über den Rücktritt Haffas am Dienstag nicht, lud aber für diesen Mittwoch zu einer Pressekonferenz nach München ein. Als Haffas Nachfolger soll Werner E. Klatten vom Spiegel-Verlag von Hamburg nach München wechseln, der derzeit auch Vorstandschef der Spiegelnet AG ist. Der Münchner Medienunternehmer Herbert Kloiber bestätigte diese Angaben am Dienstagabend dem Berliner Nachrichtensender "n-tv". Klatten werde als Gesellschafter mit einer Sperrminorität bei EM.TV einsteigen, hieß es.

"Wenn Herr Haffa eine vernünftige Lösung für sein Problem und EM.TV finden will, werden wir das im Gegensatz zu anderen sicher nicht blockieren." Mit dieser Bemerkung hatte Jan Mojto, Kirch-Media-Geschäftsführer, am Dienstag Spekulationen darüber angeheizt, Haffa werde sich in Kürze aus seinem Medienunternehmen zurückziehen. Zwar habe Kirch, der 16,7 Prozent der EM.TV-Aktien einschließlich einer Sperrminorität der Stimmrechte hält, "nicht die Absicht, die Aktien von Herrn Haffa zu kaufen". Man werde aber "eine sinnvolle Lösung" nicht verhindern, sagte Mojto.

Eine EM.TV-Sprecherin hatte zuvor einen Bericht der "Financial Times Deutschland", wonach Haffa seinen Firmenanteil von 43 Prozent für etwa 176 Millionen Mark verkaufen wolle, nicht bestätigt - aber auch nicht dementiert. Damit ließ sie Raum für Interpretationen. Haffa werde parallel zum Verkauf aus dem operativen Geschäft aussteigen, hieß es in dem Bericht. Zumindest an der Börse fiel die Antwort auf ein solches Szenario eindeutig aus: Die Aktie legte zwischenzeitlich um fast 20 Prozent zu.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass Haffa aussteigt, ist stark gestiegen", bestätigte dem Tagesspiegel ein EM.TV nahestehender Analyst die Marktgerüchte. Ein Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt werde aber nicht freiwillig erfolgen. "Haffa würde sich dem Druck des Marktes oder der Kirch-Gruppe beugen." Als Haffas Nachfolger wird unter anderem Marketing-Vorstand Rainer Hüther gehandelt, der erst im März von der Kirch zu EM.TV gekommen war.

Den Kreisen zufolge will Haffa indes 25,1 Prozent der EM.TV-Anteile an Werner E. Klatten verkaufen. Haffa werde damit rund 16 Prozent der EM.TV-Anteile behalten, hieß es. Klatten wolle über 100 Millionen Euro für die Anteile zahlen. Offen sei noch, wann der Medienmananger bei SpiegelNet aussteigen und seine neue Position übernehmen werde. Klatten war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. "Die Substanz des Unternehmens erlaubt diesen Aufschlag", hieß es. EM.TV könne zur Plattform für weitere Medienbeteiligungen unter der unternehmerischen Strategie Klattens werden. Klatten steht in verwandtschaftlichen Beziehungen zu der Industriellenfamilie Quandt, die unter anderem maßgeblich an BMW beteiligt ist. Quandt-Erbin Susanne Klatten ist die Ehefrau seines Bruders.

Das Bundeskartellamt in Bonn prüft derzeit den geplanten Einstieg von Kirch mit 16,7 Prozent bei EM.TV. Die Wettbewerbshüter haben einen Verkauf der EM.TV-Beteiligung an der Tele München Gruppe (TMG) von Herbert Kloiber zur Bedingung für ihre Genehmigung gemacht. Kloiber verfügt bei einem Verkauf des 45-Prozent-Anteils, den EM.TV an Tele München hält, über ein Mitspracherecht und lehnte nach EM.TV-Angaben bereits mehrere mögliche Käufer ab. "Kloiber ist nicht konstruktiv", beklagte auch Mojto. Der Anteilskauf ist Teil eines Pakets, mit dem der Medienkonzern EM.TV aus finanziellen Schwierigkeiten helfen will.

Die 1989 von Haffa gegründete EM.TV galt noch im vergangenen Jahr als Börsenliebling. Hohe finanzielle Verluste des Unternehmens, das durch einen teuren Einstieg bei der US-Firma Jim Henson ("Die Muppet Show") und in die Formel 1 unter Druck geriet, brachten die Aktie jedoch zum Absturz.

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