Wirtschaft : EnBW wirbt für Atomkraft als Klimaretter

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Berlin – Für den Chef des Strom und Gasversorgers EnBW, Utz Claassen, führt beim globalen Klimaschutz kaum ein Weg an der Atomkraft vorbei. Derzeit sei der Pro-Kopf-Energieverbrauch in den 15 alten EU-Staaten sechsmal höher als in China. Sollte die asiatische Weltmacht ohne Kernkraft das hiesige Niveau erreichen wollen, wären 2000 neue Kraftwerke mit je 500 Megawatt Leistung nötig, rechnete er bei seinem ersten Pressegespräch in Berlin am Mittwoch vor. Selbst bei idealem Energiemix fielen dann 3500 Millionen Tonnen Kohlendioxid zusätzlich an. Nicht berücksichtigt seien dabei die weitere Bevölkerungsentwicklung und andere Länder.

Was das für die Atomkraft in Deutschland heißt, ließ Claassen gut eine Woche vor der Bundestagswahl offen. „Wir stellen den Ausstieg nicht in Frage. Das ist eine Frage des Anstands, dass man sich daran gebunden fühlt, was man vereinbart hat“, sagte er. Um postwendend zu ergänzen, dass der mit Rot-Grün vereinbarten Ausstieg Emissionen und Strompreise erhöhen werde – EnBW als drittgrößter deutscher Energieversorger betreibt drei Atomkraftwerke. Doch stößt der Vorschlag der CDU/CSU, die Laufzeiten der Meiler zu verlängern, aber dafür niedrigere Strompreise zu vereinbaren, bei Claassen nicht auf Zuspruch. Man wolle doch nicht, dass die Regierung mit Unternehmen Preise aushandle.

Daher könne er auch keine Angaben über die künftige Preisentwicklung machen: „Die Marktmechanismen sind durchaus intakt.“ Dies treffe ebenso auf den Emissionshandel zu, auch wenn der sich in den Strompreisen nur sehr begrenzt niederschlage. Zweifel äußerte Claassen dagegen an der Preiskoppelung von Gas und Öl: Jedes der beiden Güter sei unterschiedlich knapp und solle daher eine eigene Preisbildung haben. mod

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