Wirtschaft : Ende der Pleitewelle ist erstmals in Sicht

FRANKFURT (MAIN) (ADN).Die seit 1991 steil anschwellende Pleitewelle ebbt langsam ab.Zahlreiche Indizien sprechen nach Darstellung des Statistischen Bundesamtes dafür, "daß der Anstieg der Insolvenzen allmählich zu Ende geht".Die Anfang 1998 noch registrierte Erhöhung bei den Konkursen und Vergleichen habe sich auf kleinere Unternehmen konzentriert.Die Insolvenzen größerer Unternehmen seien dagegen schon rückläufig, sagte der Präsident der Behörde, Johann Hahlen, am Donnerstag, "eine Entwicklung, die auch schon am Ende früherer Insolvenzwellen zu beobachten war." Die Erwartungen werden auch durch den Trend bei den Forderungssummen gestützt.Trotz gestiegener Insolvenzzahlen im ersten Halbjahr betrugen die Forderungen der Gläubiger mit 19,4 Mrd.DM zehn Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten 1997.

Insgesamt mußten im ersten Halbjahr 17 075 Unternehmen und Privatpersonen den Gang zum Konkursrichter antreten.Dies waren nur noch 2,9 Prozent mehr als vor Jahresfrist.Die Zahl der Firmenpleiten lag mit 13 998 Fällen um 3,1 Prozent über dem Vorjahresstand.Damit hat sich jedoch der Anstieg der Insolvenzen im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Jahren merklich abgeschwächt.1997 war eine Zunahme von 7,6 Prozent und 1996 sogar um 14,3 Prozent verzeichnet worden.

Im Juni 1998 wurden noch 2662 Insolvenzen gemeldet.Dies waren bereits 17,6 Prozent weniger als zwölf Monate zuvor.Zahlungsunfähig waren davon 2180 Firmen, was einen Rückgang um 16,7 Prozent im Jahresvergleich bedeutet.In Westdeutschland nahmen die Unternehmenspleiten im ersten Halbjahr sogar nur noch um 0,6 Prozent auf 9621 Fälle zu.Für den Monat Juni wurde eine Abnahme um 16 Prozent auf 1471 Unternehmenspleiten registriert.

Auch in Ostdeutschland wurde im Juni eine Trendumkehr festgestellt.Während in den ersten sechs Monaten die Zahl der Unternehmensinsolvenzen noch um neun Prozent auf 4377 zulegte, schwächten sich im Juni die Anträge auf Eröffnung eines Gesamtvollstreckungsverfahrens um 17,1 Prozent auf 709 Unternehmen ab.

Das Bonner Wirtschaftsministerium sprach in einer ersten Reaktion von einer Trendwende.Einen zusätzlichen Schub erhalte diese durch die Dynamik bei den Existenzgründungen.Im ersten Quartal sei die Zahl der Gewerbeanmeldungen um fünfeinhalb Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen.Minister Rexrodt erklärte dazu, die gute konjunkturelle Entwicklung verringere die Risiken des Scheiterns von Selbständigkeit.

Zur besseren Beurteilung der Unternehmensentwicklung wird das Statistische Bundesamt künftig monatlich eine neue Gewerbeanzeigenstatistik veröffentlichen.Darin werden Anmeldungen, Ummeldungen und Abmeldungen erfaßt.An den bislang schon vorliegenden Zahlen zeige sich "die Dynamik der deutschen Wirtschaft", betonte Hahlen.Allein im ersten Quartal 1998 wurden in Deutschland 229 000 Gewerbebetriebe angemeldet.Davon können allerdings nur 60 000 (plus 5,1 Prozent) als echte Gründungen angesehen werden.

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