Wirtschaft : Enders wird Airbus-Chef

Der Franzose Gallois leitet dafür die Muttergesellschaft alleine. Kanzlerin Merkel zeigt sich zufrieden

Juliane Schäuble

Berlin - Deutschland und Frankreich haben sich geeinigt, die Doppelspitze beim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS abzuschaffen. Alleiniger Chef des Airbus-Mutterkonzerns wird der Franzose Louis Gallois, der sich diesen Posten bisher mit dem Deutschen Thomas Enders geteilt hat. Enders übernimmt dafür die Führung beim kriselnden Flugzeugbauer Airbus. Außerdem wird Rüdiger Grube, Manager beim Großaktionär Daimler-Chrysler, alleiniger EADS-Verwaltungsratschef, wie der Konzern unmittelbar vor einem Spitzentreffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy am Montag in Toulouse bekannt gab.

Enders zeigte sich mit der Lösung einverstanden. „Es ist eine gute Entscheidung für die Firma insgesamt, eine gute Entscheidung für mich, denn dort, wo die Herausforderungen sind in Zukunft, wo sich die Zukunftsfähigkeit des Gesamtkonzerns entscheidet, das ist hier. Es ist bei Airbus“, erklärte Enders. Es gebe keine Gewinner und keine Verlierer, sagte der 48-Jährige weiter. „Ich werden zukünftig an Gallois berichten. Die Zusammenarbeit ist erprobt.“ Auch Gallois sagte, er sei sehr glücklich über seine zukünftige Arbeit. „Sie ist meiner jetzigen Arbeit sehr ähnlich.“

Merkel und Sarkozy sprachen nach ihrem Treffen im Airbus-Stammwerk von einem guten Tag für EADS. Merkel sagte, die neue Struktur sei gerecht und ausbalanciert. Das Gleichgewicht der deutschen und französischen Interessen sei gewahrt. „Dafür haben wir hart gearbeitet.“ Sarkozy betonte, dass es in fünf Jahren zu einer Rotation kommen werde. Dann werde Arnaud Lagardère, Chef des gleichnamigen französischen Medienkonzerns, den Daimler-Chrysler-Vertreter Grube ablösen. Dafür müsse dann ein Deutscher Gallois’ Chefsessel übernehmen.

EADS war seit der Gründung im Jahr 2000 von einer deutsch-französischen Doppelspitze geführt worden. Diese in einem Aktionärspakt vereinbarte Konstellation war aber immer wieder als zu schwerfällig kritisiert worden. Aber erst, nachdem Lieferverzögerungen und Probleme beim Superjumbo A 380 und dem Langstreckenflieger A 350 zu hohen Verlusten und dem milliardenschweren Sparprogramm „Power 8“ geführt hatten, konnten die Doppelstrukturen jetzt beseitigt werden. Im Zuge von Power 8 sollen europaweit Werke verkauft und 10 000 Stellen abgebaut werden, davon allein 3455 in Deutschland. Über die genaue Aufteilung auf die verschiedenen Länder mit Airbus-Werken war lange gerungen worden.

Nach Ansicht des Luftfahrtexperten Andreas Knorr bleibt das Konfliktpotenzial jedoch dasselbe. „Faktisch ändert sich nichts, Entscheidungen müssen auch künftig zusammen getroffen werden“, sagte Knorr, der an der Verwaltungshochschule Speyer Wirtschaftswissenschaften lehrt, dem Tagesspiegel. Auch wenn nun seit langer Zeit wieder ein Deutscher an der Spitze von Airbus stehe, bleibe der EADS-Einfluss auf Airbus enorm.

Die IG Metall äußerte sich erleichtert. „Es ist gut, dass die Führungsfrage nun endlich geklärt ist“, sagte der Sprecher der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, dieser Zeitung. Nun gebe es die Chance, dass in den Konzern Ruhe einkehre und sich das Management um die anstehenden Herausforderungen kümmere (siehe Kasten). Airbus habe im Wettstreit mit dem US-Rivalen Boeing nur als europäischer Konzern eine Chance. Eine Übermacht der französischen Seite, da Enders nun faktisch Gallois unterstellt ist, fürchtet Friedrich nicht: „Auch künftig wird keiner eigenmächtig entscheiden.“ Enders und Gallois müssten weiterhin die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut bringen.

Dagegen kritisierten französische Gewerkschaftsvertreter die Entscheidung. Der stellvertretende Airbus-Betriebsratschef Jean-Francois Knepper sagte dem französischen Radiosender France Inter, die Deutschen seien gerade dabei, sich „nicht mehr und nicht weniger als die Luft- und Raumfahrtindustrie und die europäische Verteidigung anzueignen“.

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