Wirtschaft : Endstation Archiv

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Das Motto des neuen HoechstChefs war eindeutig: „Entrosten und Entfrosten“ überschrieb Jürgen Dormann seine Mission. Der resolute Manager, der seit 1994 den deutschen Pharma- und Chemiekonzern führte, baute das angeschlagene Imperium hinter der Marke Hoechst völlig um. Er verkaufte die Kosmetik, spaltete die Chemie ab und verschmolz die Sparten Pharmageschäft 1999 mit dem französischen Konkurrenten Rhône-Poulenc. Der Name des neuen Unternehmens: Aventis. Der alte Markenname Hoechst verschwand im Archiv – wohl auch deshalb, weil er an Chemie-Störfälle Ende der 80er Jahre erinnerte.

Es war de facto das Ende der deutschen Traditionsmarke, auch wenn die Hoechst AG noch einige Jahre als Zwischen-Holding für den geplanten Verkauf des deutschen Chemiegeschäfts von Aventis diente. Das Ende einer langen Geschichte: 1863 war in Höchst am Main die Teerfarbenfabrik Meister, Lucius&Co gegründet worden. Bald kamen auch Arzneimittel hinzu. Das Geschäft gedieh. Nach dem Ersten Weltkrieg schloss sich Hoechst 1925 mit Bayer und BASF zur IG Farben zusammen. Das Kartell beschäftigte im Dritten Reich Tausende Zwangsarbeiter und produzierte Zyklon B, das Gift der Konzentrationslager. Gnädig gewährten die Alliierten nach dem Krieg einen Neuanfang. Die „Farbwerke Hoechst AG“ wurden 1951 gegründet. 1983 war Hoechst wieder der größte Pharmakonzern der Welt. Zehn Jahre später geriet der Riese ins Wanken. Auch nach der Gründung von Aventis kam das neue Unternehmen nur schwer auf die Beine. 2004 wurde Aventis für 55,3 Milliarden Euro vom kleineren französischen Konkurrenten Sanofi-Synthélabo übernommen. Mit der Auszahlung der Altaktionäre starb die alte Hoechst AG endgültig. pet

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