Energie : Briten planen Mega-Solarkraftwerk

Sonnenstrom aus der Wüste: Das plant nicht nur ein deutsches Firmenkonsortium. Eine britische Initiative will ein Solarthermiekraftwerk in Tunesien. Es soll Millionen Haushalte in Italien versorgen - und viel eher fertig sein als das deutsche Projekt.

Andreas Menn

DüsseldorfDüsseldorf - Die Vision großer Solarthermiekraftwerke in Nordafrika könnte früher Wirklichkeit werden als bisher erwartet. Während Münchener-Rück-Chef Thorsten Jeworrek das Jahr 2019 für die erste Übertragung von Solarstrom nach Europa anpeilt, verfolgt die britische Projektgesellschaft „Nur Energie“ ehrgeizigere Pläne. „Ich denke, zehn Jahre sind sehr konservativ geschätzt“, sagt Strategiemanager Till Stenzel. „Wir können schneller sein.“

Schon seit zwei Jahren plant die Firma, hinter der verschiedene Investoren aus der Finanz- und der Energiebranche stehen, den Bau eines Solarthermiekraftwerks in Tunesien mit einer Kapazität von 2000 Megawatt. Das entspricht drei großen Kohlekraftwerken, die mehrere Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Ein Teil des Stroms soll über ein eigens zu verlegendes Unterseekabel nach Italien fließen und bis zu 3,5 Prozent des italienischen Strombedarfs decken.

Die Kosten allein für die Stromverbindung liegen im Milliardenbereich. Für die Aufbauphase erhofft sich die Projektgesellschaft eine Anschubunterstützung aus öffentlichen Mitteln. Nach kurzer Zeit werde das Kraftwerk aber auch ohne staatliche Hilfen Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen produzieren können, sagt Till Stenzel. „Es handelt sich um ein klassisches Infrastrukturinvestment, das sich langfristig rentiert.“

Rückenwind versprechen sich die Investoren von einer EU-Richtlinie aus dem vergangenen Dezember, die für jedes EU-Land bis 2020 eine bestimmte Quote an Strom aus regenerativen Quellen vorschreibt. Italien muss den Anteil an erneuerbaren Energien von zuletzt 5,2 Prozent auf 17 Prozent erhöhen und darf dazu nun auch Importstrom anrechnen. Darum sei das Interesse der Regierung an solarthermisch erzeugtem Strom aus Nordafrika hoch, sagt Stenzel.

Während die Briten schon nach konkreten Standorten suchen, will eine deutsche Industrieinitiative am 13. Juli zu einem ersten Sondierungstreffen zusammenkommen. Beteiligt sind an dem Projekt namens Desertec neben der Münchener Rück unter anderem die Deutsche Bank, Siemens, ABB Deutschland, MAN Ferrostaal, Schott Solar und RWE. Das Ziel ist, innerhalb der nächsten drei Jahre konkrete Umsetzungspläne für den Bau von Solarthermiekraftwerken im Mittelmeerraum zu entwickeln. Wann der erste Spatenstich fallen könnte, ist offen. Wenn „Nur Energie“ bei seinen Plänen bleibt, dürfte die Gesellschaft den Deutschen bald einen Schritt voraus sein.Andreas Menn

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