Energie : Das Öl wird teuer

Der Barrelpreis steigt auf ein Jahresrekord. Spekulationen treiben den Rohstoffmarkt an.

Carsten Brönstrup
Öl Oil Foto: AFP
Am Hahn. Der hohe Preis könnte auf einen globalen Aufschwung hindeuten. -Foto: AFP

Berlin - Der Ölpreis ist in der Nacht zum Montag auf den höchsten Stand seit einem Jahr gestiegen. Ein Fass der US-Sorte WTI kostete in New York 79,05 Dollar, die Nordseesorte Brent lag etwas darunter. Über die Ursachen sind Fachleute uneins. Eine Bedrohung der wirtschaftlichen Erholung ist aber noch nicht auszumachen – die deutsche Exportwirtschaft dürfte dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge sogar im dritten Quartal wieder mehr ins Ausland verkauft haben als in den drei Monaten zuvor. Das wäre der erste Anstieg seit einem Jahr.

Händler begründeten den Ölpreisanstieg mit dem fallenden US-Dollar, den boomenden Börsen und dem Konjunkturoptimismus. Anfang des Monats hatte das WTI-Öl erst 70 Dollar je Barrel (159 Liter) gekostet, gemessen am Tiefstand zu Jahresbeginn hat sich der Preis sogar verdoppelt. Kürzlich hatte bereits die Internationale Energie-Agentur ihre Prognose über die Entwicklung der weltweiten Ölnachfrage angehoben. „2010 wird bereits fast so viel Öl verbraucht wie im Boomjahr 2008“, sagte Jochen Hitzfeld, Rohstoffexperte der Bank Unicredit. Dies liege vor allem an Schwellenländern wie China und Indien. Deren Anteil an der globalen Nachfrage sei seit 1990 von einem Zwanzigstel auf ein Siebtel gestiegen. Allerdings hätten die Förderländer noch viele ungenutzte Kapazitäten, daher rechnet Hitzfeld damit, dass Öl 2010 nicht teurer sein wird als 75 Dollar.

Rainer Wiek, Chefredakteur des Fachblatts „Energie-Informationsdienst“ glaubt dagegen, dass Spekulationen den Ölpreis treiben. „Stimmungen und Gerüchte bestimmen zunehmend den Markt, ähnlich wie auf anderen Anlagefeldern“, sagte er. Noch sei der konjunkturelle Aufschwung nicht stark genug, als dass er den Ölpreis treiben könne. Umgekehrt gefährde ein weiteres Plus auch noch nicht die Erholung – denn die deutsche Wirtschaft sei weniger von dem Rohstoff abhängig als früher. Die führenden Wirtschaftsinstitute hatten kürzlich in ihrem Herbstgutachten den Ölpreis im kommenden Jahr auf 75 Dollar taxiert – dann werde die Wirtschaftsleistung um 1,2 Prozent wachsen, hieß es.

Aktuell „gewinnt die Besserung in Deutschland an Boden“, schreibt das Wirtschaftsministerium in seinem Monatsbericht für den Oktober. In der Binnenwirtschaft kämen die Konjunkturprogramme immer stärker zum Tragen, auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit halte sich in Grenzen. „Allerdings bleibt die Erholung mit erheblichen Risiken belastet“, warnte das Ressort von Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). So seien die Maschinen der Betriebe noch stark unterausgelastet, außerdem gebe es noch große Unsicherheit an den Finanzmärkten.

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