Wirtschaft : Energie: Ost-Stromkonzern soll bis Ende 2002 stehen

Der schwedische Stromkonzern Vattefall macht bei der Gründung der so genannten vierten Stromkraft in Deutschland Druck: Der geplante Stromkonzern soll bis Dezember 2002 stehen. Der schwedische Energiekonzern als Haupteigner und der US-Konzern Mirant betonten am Mittwoch in Berlin gemeinsam, die Zusammenführung der Unternehmen HEW, Bewag, Veag und Laubag könne Ende 2002 abgeschlossen sein, wenn alle Beteiligten mitarbeiteten. Spätestens im Juni 2003 soll der Konzern mit Sitz in Berlin aber voll geschäftstätig sein und seinen Marktanteil im Endkundenmarkt ausbauen. Bisher halten die Unternehmen, die zusammen den Marktführern Eon, RWE und EnBW Paroli bieten sollen, gemessen am Stromabsatz rund 16 Prozent in Deutschland.

Einen Arbeitsplatzabbau, der über die bisherigen Planungen der einzelnen Unternehmen hinausgeht, soll es nicht geben, versicherte Vattenfall-Vorstandschef Lars Josefsson. Gemeinsam mit Mirant Europa-Chef Barney Rush traf er am Dienstag Vertreter der vier Betriebsräte. Wie viel Anteile Vattenfall, Mirant und die Hansestadt Hamburg letztlich an dem neuen Konzern halten werden, stehe noch nicht fest, sagten Josefsson und Rush. Die Anteile würden streng nach den bisherigen Beteiligungen berechnet. Der Konsortialvertrag über die Führung der Veag, der unter anderem den Einfluss der Bewag dort regeln soll, ist noch nicht fertig.

Nach dem Zeitplan beider Unternehmen sollen bis 1. September aber Struktur, Organisation und die Richtlinien für einen Geschäftsplan des neuen Konzerns feststehen. Der unternehmerische und rechtliche Rahmen soll bis August 2002 klar sein. Rush gab zu, dass Mirant damit sein ursprüngliches Ziel eines losen Unternehmensverbundes revidiert habe. "Es ist jetzt wichtig, unsere gemeinsame Vision voranzubringen".

Mirant erwäge, den freien Aktionären der börsennotierten Bewag ein Übernahmeangebot zu unterbreiten, sagte Rush. Dann wäre es unwahrscheinlich, dass der neue Konzern schnell an die Börse geht. Am Dienstag hatte Vattenfall den freien Aktionären der Hamburgischen Electricitätswerke (HEW) angeboten, ihre Anteile für 31 Euro zu übernehmen. Damit wollen die Schweden ihren Anteil von 71,3 Prozent aufstocken. Das Angebot gilt bis zum 31. August. Der Vattenfall-Konzern setzte im vergangenen Jahr 3,5 Milliarden Euro (6,9 Milliarden Mark) um, Mirant 13,3 Milliarden US-Dollar (30 Milliarden Mark). Vattenfall (HEW) und Mirant hatten beinahe ein Jahr lang um die Führung bei der zu bildenden Stromkraft gerungen. Dabei war es zu einem zermürbenden Streit der Unternehmen vor Gericht und unter Nutzung politischer Einflüsse gekommen.

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