Energiebörse : Kanzlerin sorgt sich um die Gaspreise

Angela Merkel besucht die Energiebörse EEX in Leipzig - und spricht sich gegen die Preisbindung von Erdgas an Erdöl aus.

Auf dem Schirm. Merkel ließ sich gestern den Handelsraum der EEX erklären.Foto: dpa
Auf dem Schirm. Merkel ließ sich gestern den Handelsraum der EEX erklären.Foto: dpaFoto: dpa

Leipzig - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält die Preisbindung von Erdgas an Erdöl für „bei weitem nicht mehr geboten“. Das sagte sie am Donnerstag nach einem einstündigen Besuch der Strombörse EEX in Leipzig. Dort wird seit 2007 auch Gas am Spotmarkt und im Terminmarkt gehandelt. Merkel berichtete, dass die Börse an einem Gaspreisindex arbeite, der bei künftigen langfristigen Lieferverträgen mit Erdgasproduktionsländern möglicherweise die Ölpreisbindung ablösen könnte. Allerdings ist fraglich, ob sich Russland oder andere Lieferländer tatsächlich darauf einlassen wollen. Das Ende der Ölpreisbindung müsste letztlich mit den Lieferländern verhandelt werden.

Merkel lobte die mittlerweile zehn Jahre alte Leipziger Strombörse. „Hier wird Energiegeschichte geschrieben“, sagte sie und betonte, die Strombörse in Leipzig habe zur Transparenz und Preisbildung im Markt beigetragen. Das sei ein „Schritt zu mehr Wettbewerb“.

In Leipzig werden rund 30 Prozent des deutschen Stromverbrauchs gehandelt, überwiegend im Terminhandel. Aber auch die Strommengen, die tagesaktuell am Spotmarkt gehandelt werden, steigen von rund 400 Gigawatt täglich im vergangenen Jahr auf nun 700 Gigawatt. Der Grund: Seit diesem Jahr werden die erneuerbar erzeugten Strommengen jeweils am Vortag prognostiziert und an der Börse versteigert. An windreichen Tagen oder im Juli während der Hitzewelle mit viel Sonne sind große Mengen erneuerbar erzeugten Stroms an der Börse gehandelt worden. An einigen Sonnentagen hat die Stromproduktion der Photovoltaikanlagen, die insgesamt noch lediglich etwa ein Prozent des Stromverbrauchs decken, in etwa die Produktionsmenge eines Atomkraftwerks erreicht. Das führte dazu, dass es an einigen Handelstagen in Leipzig sogar negative Strompreise gegeben hat. Damit die großen Kohle- oder Atomkraftwerke am Netz bleiben konnten, haben einige Produzenten Kunden Geld dafür gegeben, dass sie den Strom aus Wind oder Sonne abgenommen haben. deh

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