Energiemarkt : Bei Endesa-Übernahme droht Eon Hängepartie

Beim geplanten milliardenschweren Erwerb des spanischen Versorgers Endesa stellt sich der Energieriese Eon auf einen längeren Übernahmeprozess ein.

Essen - «Wir brauchen einen langen Atem. ... und den haben wir auch», sagte der Eon-Vorstandsvorsitzende Wulf Bernotat am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Essen. Er sieht nach wie vor gute Chancen, dass Eon am Ende erfolgreich sein wird. Für den spanischen Konzern bietet der Energieriese 29,1 Milliarden Euro. Die Pläne stoßen bei der spanischen Regierung auf Widerstand.

«Der europäische Markt braucht große, europäisch aufgestellt Unternehmen», sagte Bernotat zu den Akquisitionspläne. Wenn weltweit die Risiken wüchsen, seien Energieunternehmen in Europa mit breiten Schultern erforderlich. Das Kaufangebot sei für die Endesa - wie auch für die Eon-Aktionäre - gleichermaßen fair und angemessen. Bei den Aktionären stießen die Pläne überwiegend auf Zustimmung. Wenn E.ON erfolgreich ist, werde ein neuer Wachstumsschub ausgelöst, meinte ein Aktionär.

Die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fragte kritisch, warum sich der Vorstand schon jetzt mit einer mehrheitlichen Beteiligung von 50 Prozent plus einer Aktie begnügen wolle, obwohl ein Angebot für 100 Prozent der Aktien eingereicht worden sei. «Ich sehe weiterhin gute Chancen, dass wir unser Ziel erreichen», unterstrich indes der Vorstandschef.

Derzeit wird der Endesa-Erwerb durch Eon von der spanischen Energieaufsichtsbehörde und der Börsenaufsicht geprüft. Kurz zuvor hatte die Regierung in einem Eildekret die Kompetenzen der Energiebehörde erweitert. Die EU-Kommission leitete am Mittwoch deswegen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Spanien ein. Vor einer Woche hatten die EU-Kartellbehörden grünes Licht für den Endesa-Erwerb gegeben. Bernotat kritisierte die Einmischung des Staates: «In einem freien Markt kann es nicht sein, dass ein Staat, der nicht Aktionär ist, protektionistisch in die Markttransaktion eingreift.»

Viel Lob für den Vorstand gab für Geschäftsergebnisse aus dem vergangenen Jahr, insbesondere für die Dividende von insgesamt 7 Euro, einschließlich einer Sonderausschüttung von 4,25 Euro je Aktie. Das Ziel, die Ausschüttungsquote auf 50 bis 60 Prozent des Überschusses zu steigern, sei schon fast erreicht worden, unterstrich Bernotat. Bei einem Umsatz von 56,4 Milliarden Euro hatte Eon im vergangenen Jahr unter anderem durch Beteiligungsverkäufe (Viterra, Ruhrgas Industries) den Überschuss auf 7,3 Milliarden Euro. (tso/dpa)

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