Wirtschaft : Energiemarkt: Der Aufseher steht vor der Tür

Antje Sirleschtov

Sind Sie schon mal in die Versuchung gekommen, im Supermarkt neben Milch und Brot auch Strom zu kaufen? Kennen Sie überhaupt jemanden, der seinen Stromanbieter gewechselt hat? Nein. Kein Wunder. Nicht einmal drei Prozent der deutschen Privathaushalte haben sich in den vergangenen 24 Monaten von ihrem regionalen Energieanbieter getrennt und Konkurrenzangebote wahrgenommen. Es lohnt sich einfach nicht, erst die verschiedenen Angebote zu prüfen und dann ärgerliche Briefe mit dem alten Stromlieferanten auszutauschen - um am Ende vielleicht ein paar Mark weniger zu zahlen. Auch die Newcomer im Markt haben diesen Zusammenhang längst erkannt und solch kostenintensive Marketingmaßnahmen wie das Gelb-Strom-Angebot von Yello auf ein Minimum reduziert. Die frühe Euphorie der Marktöffnung ist längst der ernüchternden Erkenntnis gewichen, dass nicht jeder Kunde auch ein guter Kunde ist. Geld verdient man im Stromgeschäft mit Großkunden in Industrie und Handel. Der Grund: Wettbewerb beim Strom gibt es nur unter den Kraftwerken. Der billiger produzierte Strom ließ die Preise purzeln. Leitungsnetze dagegen kennen keine Konkurrenz. Hier drängen die Netzbetreiber nach wie vor mit hohen Kosten jeden Konkurrenten raus. Beinahe 1000 Netzinhaber in Deutschland sind beinahe 1000 Gebietsmonopole mit beinahe 1000 Durchleitungsbestimmungen und -kosten. Alles in allem hat sich schon wenige Monate nach dem Liberalisierungsauftakt eine neue gewaltige Macht am Markt gebildet. Offensichtlich benötigen die Unternehmen doch eine unabhängige Hand, die ihnen bei der Markt-Regulierung hilft. Der Strom-Aufseher steht vor der Tür.

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