Energiepreise : Unter Strom

Energie wird immer teurer. Doch viele lassen sich das nicht mehr gefallen und wechseln den Anbieter. Der Tagesspiegel gibt in einer neuen Serie Tipps, wie Sie mehr Geld sparen können - nicht nur bei Energie.

Verena Friederike Hasel

Als der Strom eine Farbe bekam, schien alles gut zu werden für die Verbraucher. Der Wettbewerb der Konzerne, die 1999 auf ihren Werbeplakaten darum rangelten, ob Strom gelb sei oder nicht, versprach niedrige Preise. Das Gegenteil trat allerdings ein: Heute, rund zehn Jahre nach der Liberalisierung, werden 80 Prozent des Marktes von den vier großen Konzernen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall dominiert.

PREISERHÖHUNGEN BEIM STROM

Im vergangenen Jahr zahlte ein Dreipersonenhaushalt rund 60 Euro im Monat allein für Strom, ermittelte der Verband für Elektrizitätswirtschaft, und damit rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Ärger der Politiker: „Lasst die Tassen im Schrank“, mahnte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die Energiekonzerne im vergangenen Jahr. Der Appell blieb ohne Wirkung. Im Sommer 2007 erhöhte Vattenfall seine Strompreise um 6,5 Prozent.

KAUM WETTBEWERB BEIM GAS

Während die Liberalisierung des Strommarktes nicht die gewünschte Wirkung erzielt hat, hat die des Gasmarkts bislang so gut wie gar nicht stattgefunden. Seit Oktober 2006 können Verbraucher ihren Gasversorger zwar selbst wählen, aber in ländlichen Regionen gibt es weiterhin oft nur einen Anbieter. Anders in Berlin: Hier konkurrieren immerhin fünf Anbieter mit einander. Doch auch das schützt nicht vor Preiserhöhungen. Die Gasag hat ihre Preise zum Jahresanfang heraufgesetzt. An der jüngsten Preisrunde im März und April hat sich Berlins größter Gasversorger aber nicht beteiligt. Das unterscheidet das Unternehmen von den 142 anderen Gasversorgern, die an der Preisschraube gedreht haben.

WAS DIE KUNDEN TUN KÖNNEN

Doch immer mehr Verbraucher wollen sich die Preistreiberei nicht mehr gefallen lassen. Sie haben erkannt, wie sie protestieren können: Wechseln, wo es nur geht. Genau das haben nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft im vergangenen Jahr zwei Millionen deutsche Stromkunden getan. 1,2 Millionen entschieden sich dabei für einen komplett neuen Anbieter,weitere 800 000 wählten zumindest einen neuen Tarif bei ihrem alten Versorger. Zum Vergleich: 2006 hatten nur halb so viele Menschen gewechselt, bis 2005 hatten sogar nur vier Prozent einen Vertrag mit einem neuen Versorger geschlossen. Wirtschaftsminister Glos sieht das gern: „Bei den Verbrauchern wächst das Bewusstsein, dass sie es auch selbst in der Hand haben, ihren Stromlieferanten Grenzen zu zeigen“, sagte er kürzlich. Er äußerte die Hoffnung, dass sich dieser Trend im laufenden Jahr weiter fortsetzt.

BEIM WECHSEL 200 EURO SPAREN

Das würde sich auszahlen: Eine vierköpfige Familie wie die Krons kann über 200 Euro Stromkosten im Jahr sparen, wenn sie zu einem Billiganbieter wechselt, für Singles wie Frau Dill wären es immerhin noch über 140 Euro. Doch dafür muss man sich erst einmal zurechtfinden in der Vielzahl der Angebote. Allein Vattenfall bietet fünf verschiedene Tarifmodelle an. Und natürlich mischen sich unter die seriösen Versorger auch windige Anbieter. Schließlich kann in Deutschland seit 1998 jeder, der will, Strom verkaufen. Stutzig sollte man werden, wenn man etwa wochenlang auf einen Vertrag wartet. Und auch wenn die Stromlieferanten besonders günstig sind, bei denen der Kunde aber im voraus zahlen muss, sollte man sich überlegen, ob man das wirklich will.

Grundsätzlich gibt es zwei Wechslertypen: Wer aus rein finanziellen Erwägungen heraus handelt, wechselt häufiger, auch weil es oft Prämien bei Vertragsabschlüssen gibt – von einer Gutschrift über 50 Euro bis zum DVD- Player. Andere wechseln aus ökologischen Gründen. 2006 waren gut 750 000 Haushalte bei einem Ökostrom- anbieter, rund 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Aktuellere Zahlen gibt es nicht, vermutlich sind es heute aber noch mehr. Wer Geld sparen und die Umwelt schonen will, kann aber auch sein eigenes Verhalten ändern. Wer den Fernseher nicht auf Standby stellt oder die Waschmaschine direkt an den Warmwasserschlauch anschließt, tut seinem Geldbeutel und der Umwelt Gutes.

AUFSICHTSBEHÖRDEN MISCHEN SICH EIN

Insgesamt ist die Lage hoffnungsvoll. Denn auch die Aufsichtsbehörden haben jetzt mehr Macht, den Energiekonzernen auf die Finger zu schauen. Die Bundesnetzagentur kann die Gebühren, die die Netzbetreiber für die Durchleitung der Energie verlangen, kürzen – und hat das auch bereits getan. Zudem setzt das Bundeskartellamt den Strom- und Gasversorgern zu. Die Wettbewerbshüter haben kürzlich ein Verfahren gegen 35 Gasversorger, darunter die Gasag, eröffnet, weil sie vermuten, dass die Firmen zu hohe Preise verlangen. Auch gegen Stromanbieter hat es bereits zahlreiche Verfahren gegeben. Und vielleicht zeigt auch der kleine Protest Wirkung: 200 000 Berliner kündigten im vergangenen Jahr ihren Vertrag bei Vattenfall. Für dieses Jahr hat der Konzern Preisstabilität versprochen – und rückwirkend zum 1. Januar die Preise um 1,7 Prozent gesenkt.

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