Energiewende : Für Tschechen hat Braunkohle in der Lausitz Zukunft

Der Staatskonzern CEZ will von Vattenfall die Kohle in der Lausitz kaufen. Bis Mitte März soll das Angebot vorliegen.

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Blick über Abraumhalden des Jänschwalder Braunkohletagebaus auf die qualmenden Kühltürme des Kraftwerkes von Vattenfall.
Blick über Abraumhalden des Jänschwalder Braunkohletagebaus auf die qualmenden Kühltürme des Kraftwerkes von Vattenfall.Foto: Patrick Bleul/dpa

Der tschechische CEZ-Konzern will nach einer Übernahme der Vattenfall-Braunkohle die rund 8000 Arbeitsplätze in der Lausitz erhalten. „Es besteht keinerlei Notwendigkeit, in den Bereichen Personal und Management eine Revolution durchzuführen“, sagte CEZ- Chef Daniel Benes vor Journalisten in Prag. Die Tagebaue würden gut gemanagt.

Von der deutschen Politik forderte er verlässliche Rahmenbedingungen. „Es wäre gut, wenn die deutsche Regierung den Fahrplan präzisieren könnte“, sagte er zu dem hierzulande diskutierten Kohleausstieg. Er rechne mit dem Einsatz der Braunkohle als Brückentechnik in einer Spannweite von 2035 bis 2050.

Auch die Essener Steag ist interessiert

Ein verbindliches Angebot für Tagebaue und Kraftwerke werde sein Unternehmen bis zum 16. März abgeben. Der fallende Kohlepreis schreckt den Manager nicht. „Unser Angebot wird den aktuellen Marktbedingungen entsprechen, sodass wir sicher sein können, in der Gewinnzone zu sein“, sagte Benes. Neben CEZ hat auch der ebenfalls in Tschechien beheimatete EHP-Konzern sowie die Essener Steag Interesse an der Braunkohle von Vattenfall. Der schwedische Staatskonzern hat die Kohle zum Verkauf gestellt, weil die Verstromung der vergleichsweise viel CO2 ausstoßenden Braunkohle in Schweden mit ähnlicher Vehemenz abgelehnt wird wie in Deutschland die Atomenergie.

CEZ zählt zu den zehn größten Energieversorgern Europas. Der Betreiber von Kohle- und Atomkraftwerken ist mehrheitlich im Staatsbesitz. 7,9 Milliarden Euro ist der Konzern aktuell an der Börse wert; CEZ versorgt 7,3 Millionen Haushalte mit Strom. Der Konzern betreibt Atom- und Braunkohlekraftwerke vor allem in Osteuropa bis hin zur Türkei. Auch in Deutschland ist man schon tätig, an mehreren Firmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien hat sich CEZ beteiligt.

„Deutschland und Tschechien können sich sehr gut ergänzen“, sagt Pavel Cyrani, der im Vorstand für die strategischen Fragen zuständig ist: „Nicht nur deshalb bewerben wir uns um die Aktivitäten in der Lausitz.“ Zwei Niederlassungen hat CEZ eröffnet, um den Ernst seiner Absichten deutlich zu machen, eine in Berlin, die andere in Hamburg. Europaweit beschäftigt der Konzern rund 26 000 Mitarbeiter. Die meisten Aktien hält nach wie vor der tschechische Staat, für dessen Haushalt die jährlichen Renditezahlungen von CEZ eine wichtige Einkommensquelle sind.

In Rumänien gibt es einen riesigen Windpark

„In Deutschland suchen wir auch nach Investitionsmöglichkeiten im Bereich der erneuerbaren Energien“, sagt Strategie-Chef Cyrani. Denn obwohl der Konzern derzeit vor allem bei der Braunkohle stark ist und in Tschechien auch das umstrittene Atomkraftwerk Temelín betreibt, baut er sich im Zuge der europäischen Energiewende derzeit radikal um: In der Nähe der Ostseeküste entsteht in Polen eines der größten europäischen Windkraftwerke. In Rumänien betreibt CEZ bereits heute den größten Festland-Windpark in Europa – auf einer Fläche von 7200 Hektar reihen sich dort die Windräder aneinander.

Doch dieser Strategiewechsel hat für das Engagement in die Lausitzer Braunkohle erst mal keine Auswirkung. „Braunkohle ist für uns nach wie vor eine wichtige Energiequelle“, sagte Cyrani. „Wir setzen auf moderne Kraftwerke und schaffen es dadurch, den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren.(mit dpa)

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