Energiewende : Strom wird sieben Prozent teurer

Die EEG-Umlage steigt im kommenden Jahr voraussichtlich um einen Cent je Kilowattstunde. Die Deutschen sparen beim Heizen.

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Wenn die Sonne scheint und der Wind bläst, dann wird es teuer für die Verbraucher, denn die Subventionen für den Ökostrom steigen weiter.
Wenn die Sonne scheint und der Wind bläst, dann wird es teuer für die Verbraucher, denn die Subventionen für den Ökostrom steigen...Foto: dpa

Der Druck auf eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) nimmt zu. Wenige Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der EEG-Umlage für das kommende Jahr häuften sich am Mittwoch Hinweise auf eine Erhöhung der EEG-Umlage um einen Cent auf 6,3 Cent je Kilowattstunde. Damit erreicht die Förderung der erneuerbaren Energien hierzulande ein Volumen von fast 25 Milliarden Euro im Jahr. Mit der EEG-Umlage wird die Differenz zwischen Markt- oder Börsenpreis und der garantierten Vergütung für den Ökostrom ausgeglichen. Ein Paradoxon der Energiewende: Je mehr Ökostrom erzeugt wird – inzwischen liegt der Anteil an der Stromerzeugung bei rund einem Viertel – desto höher ist die Förderung mit der EEG-Umlage. Es ist deshalb inzwischen weitgehend unstrittig, dass sich die nächste Bundesregierung prioritär um eine Reform des EEG kümmern muss.

Der Einspeisevorrang für den Grünstrom und der über 20 Jahre feststehende Preis haben hervorragend funktioniert als Anreiz zur Verbreitung von Wind-, Solar- und Biogasanlagen. Eine Neujustierung des von der rot-grünen Regierung im Jahr 2000 eingeführten EEG ist nun aber zwingend, um die Preise zu stabilisieren und überhaupt das Verhältnis von erneuerbaren und konventionellen Energien neu zu bestimmen und somit die Versorgung zu sichern.

Stromfresser im Haushalt
In der Küche sind Kühlschrank und Herd die schwierigsten Kandidaten. Gerade beim Herd kann viel Energie verloren gehen. Grundsätzlich sind Induktionsfelder besser als Ceran-Felder: Ein Topf mit fünf Liter Wasser braucht auf einem Ceranfeld doppelt so lange, bis er erhitzt ist, und benötigt ein Drittel mehr Strom. Der Tipp: Immer den passenden Topf auf's passende Feld stellen. So geht keine Energie verloren. Ebenso: Deckel drauf!Alle Bilder anzeigen
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08.04.2014 11:47In der Küche sind Kühlschrank und Herd die schwierigsten Kandidaten. Gerade beim Herd kann viel Energie verloren gehen....

Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox muss ein Haushalt mit einen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden kommendes Jahr im Schnitt 1050 Euro für Strom zahlen und damit etwa 70 Euro mehr als bisher: 36 Euro für die höhere EEG-Umlage, elf Euro zusätzliche Mehrwertsteuer sowie schließlich 23 Euro für höhere Netzentgelte. Insgesamt würde der Strom also um rund sieben Prozent teurer. Den Grünen zufolge hat sich damit in den vier Jahren der schwarz-gelben Regierung die EEG-Umlage verfünffacht. Ursächlich dafür sind nach Einschätzung der Grünen vor allem die Privilegien für energieintensive Unternehmen, die sich an der Finanzierung des Ökostroms nicht beteiligen müssen. Entsprechend höher ist dann die Belastung für alle übrigen Verbraucher. Tatsächlich prüft auch die EU-Kommission, ob diese Privilegien, mit der die Bundesregierung die heimische Industrie schützen will, nicht gegen Beihilferegeln verstoßen.

Inzwischen sind hierzulande rund 65 000 Megawatt an Solar- und Windleistung installiert: Solarmodule vor allem auf Dächern im Süden, Windräder eher im Osten und Norden der Republik. Die Leistung der aktuell noch produzierenden Atomkraftwerke liegt insgesamt bei 12 696 Megawatt. Anders als die Ökoanlagen können Akw, Kohle- und Gaskraftwerke unabhängig vom Wetter und damit rund um die Uhr Strom erzeugen. Mit einem Anteil von gut 40 Prozent ist die klimaschädliche Kohle derzeit mit Abstand der wichtigste Energieträger bei der Stromerzeugung.

Die zunehmende Verteuerung der Energie hat die Verbraucher zum Sparen animiert. Zwischen 2005 und 2012 ging der Gesamtenergieverbrauch um 5,2 Prozent auf 667 Milliarden Kilowattstunden zurück, obwohl die Zahl der Haushalte und die genutzte Wohnfläche gestiegen sind. Bereinigt um die Temperaturschwankungen betrug der Rückgang 4,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Rund 70 Prozent der Energie verwenden die Haushalte fürs Heizen. Für Raumwärme wurden 2012 noch 466 Milliarden Kilowattstunden aufgewendet, das waren 8,4 Prozent weniger als sieben Jahre zuvor. Für Warmwasser, Haushaltsgeräte und Beleuchtung stieg hingegen der Energieverbrauch, was die Statistiker auf die steigende Zahl von Geräten zurückführten. (mit dpa)

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