Wirtschaft : Entwicklungshilfe: Industrie verstärkt Zusammenarbeit mit der dritten Welt

Rolf Obertreis

Weil Qualitätsstandards und Kontrollen fehlen erzielt Kaffee aus Peru auf dem Weltmarkt nur mäßige Preise. Damit fehlen dem Land und vor allem vielen Kleinbauern wichtige Einnahmen. Andererseits sind die Manager von Jacobs Kaffee in Bremen bereit, Kaffee aus Peru zu kaufen, wenn die Qualität stimmt. Und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) will die Kaffeebauern unterstützen und damit einen Beitrag zur Verbesserung zur Lebensumstände in Peru zu leisten. Die Lösung: BMZ und Jacobs tun sich zusammen und stellen ein Projekt zur Verbesserung der Kaffeequalität auf die Beine. "Public Private Partnership" ist zwei Jahre nach dem Start zu einem bemerkenswerten Bestandteil deutscher Entwicklungspolitik geworden.

Jacobs ist eine von 148 Firmen, die in dieser Form in Entwicklungsprojekte in Afrika, Asien oder Lateinamerika eingebunden sind. "Mit jeder Mark an öffentlichem Geld mobilisieren wir mindestens eine weitere Mark an privatem Kapital", sagt Albrecht Graf von Hardenberg von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn, die sich im Auftrag des BMZ um Entwicklungsprojekte kümmert. 120 Millionen Mark haben GTZ und Firmen seit dem Start 1999 in PPP- Projekte investiert. Der öffentliche Anteil lag dabei bei 40 Prozent. Beim Kaffeeprojekt in Peru steuert die GTZ bis März 2002 gut 340 000 Mark bei, von Jacobs kommen 400 000 Mark.

"Es gibt Überschneidungen zwischen unternehmerischen Interessen im Ausland und entwicklungspolitischen Zielen", sagt Hardenberg. Freilich ist diese Öffnung gegenüber der Wirtschaft auch aus der Not geboren. Schließlich hat auch die rot-grüne Bundesregierung den Entwicklungshilfeetat gekürzt. Dem Ziel, 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes für die Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen, ist Deutschland seit 1998 keinen Deut näher gekommen. Die Quote liegt gerade mal bei 0,26 Prozent.

Mit Hilfe der Frankfurter Firma TBW hat die GTZ ebenfalls in Peru ein innovatives Abfall-Entsorgungssystem eingeführt. Aids-Aufklärung von 4200 Automobil-Beschäftigen und ihren Familien ist Ziel eines Projektes von GTZ und Daimler-Chrysler in Südafrika. In Indien kümmern sich GTZ und die Schuhkette Deichmann darum, dass wenigstens in einigen Lederfabriken skandalöse Umweltpraktiken und Sozialstandards der Vergangenheit angehören. Nur Zulieferer, die die internationalen Normen für Arbeitssicherheit und Umweltschutz erfüllen, die keine Kinderarbeit dulden und Arbeitsgesetze respektieren, können ihre Produkte an Deichmann liefern.

Vor allem Mittelständler suchen den Kontakt zur GTZ. "Für viele Firmen ist das länderspezifische Know-how der GTZ der entscheidende Anstoß, den Schritt in ein Entwicklungsland zu wagen", sagt GTZ-Experte Hardenberg. Voraussetzung für die Kooperation ist Subsidiarität: Die Unternehmen müssen in der Regel 50 Prozent der Projektkosten tragen. Über PPP haben viele Firmen selbst ihre Scheu vor der angeblich so problematischen Lage in Afrika aufgegeben. Immerhin 40 Projekte werden auf dem schwarzen Kontinent derzeit realisiert. 54 liegen in Asien, 27 in Lateinamerika, der Rest in Nah- und Mittelost, auf dem Balkan und in Osteuropa. Bei der GTZ häufen sich mittlerweile die Vorschläge für neue PPP-Projekte. Nicht zuletzt auch, weil der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) die Initiativen unterstützt. Eine entsprechende Vereinbarung mit der GTZ trägt längst Früchte.

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