Wirtschaft : Eon prüft Klage gegen Spanien

Energiekonzern kritisiert Auflagen für den Kauf des Konkurrenten Endesa / EU kündigt Unterstützung an

Ralph Schulze

Madrid - Der deutsche Energiekonzern Eon will an der Übernahme des spanischen Strommarktführers Endesa festhalten. Und zwar trotz der Auflagen durch Spaniens Aufsichtsbehörden. Der Eon-Konzern, der im Februar rund 29 Milliarden Euro für Endesa geboten hatte, prüft jedoch nun eine Klage gegen die von Spanien verkündeten 19 Übernahmebedingungen, die von den Deutschen als ungerechtfertigt bezeichnet werden. Auch die Europäische Kommission kündigte an, die von der spanischen Energiebehörde beschlossenen Hürden juristisch abzuklopfen. Die Auflagen müssten „angemessen und vereinbar“ mit dem EU-Wettbewerbsrecht sein, hieß es in Brüssel, ansonsten werde man sie annullieren.

Die spanische Energiekommission hatte am Donnerstagabend grünes Licht für den Milliardendeal zwischen Endesa und Eon gegeben. Die Zustimmung der Aufsichtsbehörde, die nach langem Ringen und Drohungen der EU-Kommission zustande kam, ist jedoch an eine Serie von Auflagen gebunden. Die schmerzlichste ist zweifellos, dass Eon rund ein Drittel der spanischen Endesa-Stromkapazitäten, was etwas mehr als 7000 Megawatt entspricht, verkaufen soll. Vor allem müsste sich Eon-Endesa von „strategischen Werten“ in Spanien trennen. Dazu gehören fünf Beteiligungen an Atommeilern und drei Kraftwerke, die mit spanischer Kohle befeuert werden. Zudem muss Eon die spanische Endesa als Unternehmen erhalten, was seitens der Deutschen ohnehin vorgesehen war.

Eon soll zudem verpflichtet werden, Endesa wieder zu verkaufen, falls ein drittes Unternehmen in der Zukunft mehr als 50 Prozent von Eon erwerben sollte. Künftige Verkäufe von Endesa-Unternehmensanteilen müssen von Spanien genehmigt werden. Auch sollen die Deutschen garantieren, dass sie zu den von Endesa versprochenen Investitionen in Stromnetze und Kraftwerke in Spanien stehen. Keines der in Betrieb befindlichen Stromwerke darf geschlossen werden.

Ursprünglich wollte Spaniens sozialdemokratischer Regierungschef José Luis Zapatero die Endesa-Übernahme durch Eon ganz blockieren, um zu verhindern, dass die Deutschen auf dem spanischen Strommarkt mitregieren. Zapatero wollte Endesa stattdessen dem nationalen Konkurrenten Gas Natural zuschlagen, der bereits im September 2005 rund 22 Milliarden Euro geboten hatte. Doch nachdem zwei spanische Gerichte den Deal mit Gas Natural auf Eis legten und auch die EU-Kommission Spaniens Regierung für den Fall eines Vetos gegen Eon mit Klage drohte, musste Zapatero seine Blockadehaltung aufgeben.

Eon teilte am Freitag mit, dass man nun zunächst auf die schriftliche Begründung der Übernahmeauflagen warte. Der Konzern sehe „jedoch für die bislang bekannten Auflagen keine Berechtigung und behält sich rechtliche Schritte ausdrücklich vor“. Gleichwohl versicherte Eon, dass man der Übernahme „weiterhin große Bedeutung“ zumesse. „Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre“ würden von dem Zusammenschluss genauso profitieren, „wie die spanische Wirtschaft insgesamt“.

An der Börse kam die Nachricht, dass Eon zum Zuge kommen darf, zunächst gut an. Die Eon-Aktie stieg kräftig – doch dann traten die negativen Nachrichten in den Vordergrund. Am Abend überwog dann wieder der Optimismus: die Aktie schloss mit einem Plus von 1,4 Prozentbei 96,11 Euro. Die Endesa-Aktie konnte ihren Gewinn halten und notierte am Ende 2,5 Prozent höher bei 26,88 Euro.

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