Equal Pay Day : Der kleine Unterschied

Zum Equal Pay Day wird der Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern analysiert. Mal sind es 22 Prozent, mal sieben. Arbeitgeber wollen, dass mehr Frauen Vollzeit arbeiten.

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Vollzeit und in der Industrie: Unter diesen Umständen sind die Verdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern eher gering.
Vollzeit und in der Industrie: Unter diesen Umständen sind die Verdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern eher gering.Foto: picture alliance / dpa

Am wenigsten benachteiligt sind Frauen in Mecklenburg-Vorpommern. Laut Statistik betrug hier der Verdienstabstand zu den Männern zuletzt noch fünf Prozent; am schlechtesten dran sind Frauen in Baden-Württemberg, hier verdienen die Männer 27 Prozent mehr. Die Differenzen erklären sich zum überwiegenden Teil aus der Wirtschaftsstruktur und der Erwerbsquote: Wo es viele Männer in gut bezahlten Industriebetrieben gibt, ist der Unterschied groß. Wo es wenig Industrie und viele Frauen in Vollzeitjobs gibt, ist der Unterschied eher gering. Alles in allem, also deutschlandweit, lag der durchschnittliche Bruttostundenlohn 2013 bei 15,65 Euro (Frauen) und 19,84 Euro (Männer). Damit ist nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes der Verdienstunterschied zwischen den Geschlechtern über die vergangenen 15 Jahre ziemlich konstant geblieben.

Die Statistiker unterscheiden dabei zwischen einem unbereinigten und einem bereinigten „Gender Pay Gap“: Bei dem „unbereinigten“ werden schlicht alle Verdienste nach Geschlechtern genommen und verglichen, das Ergebnis ist dann ein Unterschied von 22 Prozent. Diese 22 Prozent ergeben sich vor allem aufgrund des hohen Anteils von Frauen in schlecht bezahlten Berufen wie Gebäudereinigung (85 Prozent), Handel (73 Prozent) oder Gesundheitsberufen (77 Prozent). Auf der anderen Seite ist der Anteil der Männer dort hoch, wo überdurchschnittlich verdient wird, etwa in der Industrie (77 Prozent) oder der Datenverarbeitung (82 Prozent). Die genannten Ursachen plus der höhere Anteil an Teilzeit erklären rund zwei Drittel des Verdienstunterschieds.

Das restliche Drittel, also gut sieben Prozent, bildet dann den „bereinigten Gender Gap“: Dies bedeutet, dass im Durchschnitt Arbeitnehmerinnen auch unter der Voraussetzung vergleichbarer Tätigkeit und identischer Qualifikation sieben Prozent weniger verdienen als die Männer. Hier setzen die diversen Aktivitäten rund um den Equal Pay Day an, der in diesem Jahr auf den 21. März fällt. Das Datum steht für den Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um auf das Jahresgehalt ihrer Kollegen zu kommen.

An diesem Freitag veranstaltet unter anderem der DGB eine Kundgebung am Brandenburger Tor. Dabei steht ein Rechtsanspruch auf Vollzeit nach einer Teilzeitperiode ganz oben auf der Forderungsliste. Die Arbeitgeber dagegen plädieren für ein „hochwertiges Angebot an Kinderbetreuung und Ganztagsschulen“, damit mehr Frauen Vollzeit arbeiten können. Ebenso wichtig ist nach ihrer Einschätzung, „dass Frauen ihr Berufswahlspektrum erweitern und wir noch mehr Frauen für lukrative Berufe im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich begeistern“. Der Eindruck, Frauen würden deutlich weniger verdienen, ist nach Einschätzung der Arbeitgeberverbände falsch. „Wenn Frauen beim gleichen Arbeitgeber die gleiche Arbeit leisten wie ein Mann, werden sie auch gleich entlohnt.“

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