Wirtschaft : Erfolgreich mit Handys und Netzen

DONATA RIEDEL (HB)

DÜSSELDORF .Der Fall der Berliner Mauer öffnete der Nokia Oy, Helsinki, einen neuen Markt.Überall in den Industriegebieten der neuen Bundesländer sorgte der finnische Telekommunikationshersteller mit 10 000 damals noch analogen Funkanschlüssen für Erreichbarkeit in der Telekommunikationswüste Ostdeutschland."Das war für uns das Entrée auf den deutschen Markt", erinnert sich Jörns Haberstroh, der seit 1990 in Düsseldorf das Deutschlandgeschäft des Konzerns aufgebaut hat.Gleichzeitig begann sich das Telefonmonopol der Bundespost erstmals für andere Hersteller als die damaligen Hoflieferanten Siemens und Alcatel zu öffnen, als die D-Netze im Mobilfunk aufgebaut wurden.

1998 wird Nokia in Deutschland etwa 3,5 Mrd.DM umsetzen und am Ende des Jahres voraussichtlich fast 3000 Mitarbeiter beschäftigen.Unter dem Dach der deutschen Nokia Holding produziert die Nokia MobilePhones GmbH Handys und die Nokia Telecommunications GmbH Telefonnetze.Das Geschäft mit Fernsehgeräten und Lautsprecherboxen wurde eingestellt oder verkauft, bis auf das Segment High-end-Geräte, die der Bereich Nokia Display Products vermarktet.Allein mit Handys, die in Bochum für ganz Europa produziert werden, setzte Nokia 1997 etwa zwei Mrd.DM um.Mit 2000 Mitarbeitern sei Nokia der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt hinter Opel.In Düsseldorf sollen bis Ende des Jahres 750 Mitarbeiter mit dem Netzgeschäft der Nokia Telecomunications GmbH beschäftigt sein.Durch die Liberalisierung hat Haberstroh in den vergangenen beiden Jahren die Abhängigkeit vom Mobilfunknetzbetreiber E-Plus lösen und das Geschäft auf drei Standbeine stellen können.Ein Drittel dieses Geschäfts werde heute mit E-Plus, ein weiteres mit dem E2-Netz der Viag-Interkom und das dritte mit dem Festnetzaufbau von Citycarriern gemacht."Bei Viag Interkom sind wir mit 75 Prozent der Basisstationen größter Lieferant."

Im Festnetzbereich hat Haberstroh erwartet, daß die neuen Telekommunikationsunternehmen sehr viel früher mit Blick auf die Liberalisierung ab 1.Januar 1998 investieren würden.Doch vor Ende 1997 sei dieses Geschäft kaum in Gang gekommen, weil die Investoren auf Nummer sicher gehen wollten.Nokia konzentriere sich im Festnetzbereich auf kleine Gesellschaften, vor allem auf Citycarrier wie VEW-Telnet, Isis oder Hansenet.

"Wir haben diese damals riskante Entscheidung getroffen", so Haberstroh."Trotz der rasant wachsenden Zahl an Citynetzbetreibern ist der Festnetzmarkt noch lange nicht verteilt und somit ein klarer Wachstumsmarkt für Nokia Telecommunications." Riskant sei das Geschäft deshalb, weil der Aufbau eines kleinen Netzes letztlich fast genauso viele Ressourcen binde, wie der Aufbau eines bundesweiten Netzes.Am Anfang verdiene Nokia dabei kaum etwas.Inzwischen aber mache das Geschäft durchaus Sinn, weil sich die Lokalgesellschaften zu größeren Verbünden zusammenschließen.Neben den Produktionsstätten und dem Beratungsgeschäft für kleine Telekommunikationsunternehmen betreibt Nokia in Düsseldorf ein eigenes Entwicklungscenter mit derzeit 200 Forschern, deren Zahl verdoppelt werden soll.Dabei ist Haberstroh voll des Lobes für den Standort Deutschland."Von den Universitäten und Hochschulen rund um Düsseldorf bekommen wir gutausgebildete und hochmotivierte Leute", sagt Haberstroh.Daher rechnet er damit, daß das finnische Unternehmen in Deutschland auch weiterhin investieren werde.

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