Wirtschaft : Erstmals mehr als 100 000 Autos von Karmann

OSNABRÜCK / RHEINE .Beim Osnabrücker Karosseriebauer Wilhelm Karmann GmbH werden 1998 erstmals mehr als 100 000 Fahrzeuge die Produktionsbänder in Osnabrück und Rheine verlassen.Das kündigte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Rainer Thieme, am Donnerstag abend an.Wesentlicher Grund ist der Verkaufserfolg von Modellen, die Karmann im Auftrag von Volkswagen und Mercedes baut.Somit steuert das Unternehmen das erfolgreichste Jahr seiner mittlerweile 97jährigen Firmengeschichte an.

Der Umsatz wird nach Schätzungen Thiemes in diesem Jahr von 1,3 (1997) auf über zwei Mrd.DM steigen.Mit einer wesentlichen Ergebnisverbesserung gegenüber 1997 (28,5 Mill.DM) sei indessen nicht zu rechnen.Zu hoch seien die für die vielen neuen Aufträge erforderlichen Investitionen.Die direkten Ausgaben bezifferte Thieme für 1997 und 1998 auf je rund 70 Mill.DM.Hinzu komme, daß allein für die Entwicklung des CLK von Mercedes noch einmal 120 Mill.DM hätten aufgewandt werden müssen, "die über die Stückzahl amortisiert werden".

"Zur Zeit bauen wir täglich über 400 komplette Fahrzeuge, darunter 240 Golf Variant." Diese "Bergfahrt" werde sich auf absehbare Zeit fortsetzen.Die Nachfrage nach dem CLK-Cabrio sei derart stürmisch, daß die Jahresproduktion von Mitte 1999 an von ursprünglich 12 000 auf voraussichtlich 30 000 gesteigert werden müsse, sagte Thieme.Hierzu muß eine dritte Schicht eingerichtet werden.

"Angesichts der großen Serien und der hohen Qualitätsanforderungen unserer Kunden sind wir mit unseren Kapazitäten völlig am Ende", berichtete Thieme."Einen hochinteressanten Entwicklungsauftrag haben wir wegen Überlastung schon ablehnen müssen."

Für 1998 erwartet Thieme zudem eine Gesamtfertigung von 60 000 Golf Variant, 9000 Renault-Megane- und 6000 Audi-Cabriolets.Neben den Komplettfahrzeugen wird Karmann 54 000 Einheiten der Mercedes-SLK-Bodengruppe und annähernd 20 000 CKD-Bausätze für VW in Mexiko herstellen.Unter dem Strich wird mit einer Stückzahlensteigerung um über 50 Prozent gerechnet.

Am 31.Mai dieses Jahres standen bei der Karmann GmbH - einschließlich 1500 befristet Beschäftigter - 6175 Mitarbeiter (Ende 1997: 5235) in Brot, in der Gruppe waren es 9000 (7000).Zahlreiche Sonderschichten, auch sonnabends, hätten eingelegt werden müssen, sagte Wilhelm Dietrich Karmann, für Personal zuständiges Mitglied der Geschäftsführung.Diese Belastung werde sich im zweiten Halbjahr 1998 fortsetzen.Weitere Einstellungen seien nicht geplant.

Karmann profitiert damit vom generellen Boom in der deutschen Autoindustrie, der auch den Zulieferern kräftige Zuwächse beschert.Überall in der Branche füllen sich derzeit die Auftragsbücher.Die großen Autoproduzenten lagern - wie bei Karmann - zum Teil ganze Produktionslinien aus, weil ihnen Kapazitäten in den eigenen Werken fehlen.

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