Wirtschaft : Erstmals seit zwei Jahren hellt das Wirtschaftsklima in Japan auf

LARS NICOLAYSEN

TOKIO .Das wirtschaftliche Klima in Japan hat sich erstmals nach fast zwei Jahren wieder leicht aufgehellt.Wie die japanische Zentralbank in ihrem am Montag veröffentlichten Quartalsbericht feststellt, beurteilten Großunternehmen wie auch kleinere Betriebe ihre Lage im März weniger pessimistisch als noch drei Monate zuvor.Nach Ansicht von Analysten deutet dies aber noch nicht auf einen selbsttragenden Aufschwung hin.Die Börse in Tokio reagierte zunächst mit deutlichen Kursgewinnen, die jedoch im Verlauf durch Verkäufe wieder reduziert wurden.Der Kurs des Dollars legte am Nachmittag in Tokio zu.

Der weltweit viel beachtete "Tankan"-Bericht der Bank von Japan wertet eine Vielzahl ökonomischer Daten von rund 10 000 Unternehmen aus und ist eine Mischung aus Konjunkturanalyse und Stimmungsbericht.Dem jüngsten Bericht zufolge stieg der Geschäftsklima-Index der großen Industriefirmen, der die Konjunkturerwartungen widerspiegelt, zwischen Dezember und März von zuvor minus 49 auf minus 47.Das beduetet, daß auf 100 Betriebe, die ihre Geschäftsaussichten positiv sehen, nur noch 47 Firmen kommen, die mit einer Verschlechterung rechnen.Optimistischer waren auch die Manager kleiner und mittelgroßer Industrieunternehmen.

Obwohl Manager aller Bereiche für die kommenden drei Monate eine weitere Verbesserung der konjunkturellen Lage erwarten, gibt es Stimmen, die vor überzogenem Optimismus warnen.So sei die leichte Stimmungsverbesserung lediglich eine Folge der massiven Konjunkturprogramme der Regierung und der expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank.Der Chefstatistiker der Zentralbank, Shosaku Marayama, etwa verwies auch auf den unverändert vorherrschenden Kreditmangel.Tatsächlich beabsichtigen große Industriebetriebe ihre Investitionen im gerade begonnenen Geschäftsjahr weiter deutlich zu kürzen.Außerdem zeichnet sich eine weitere Verschlechterung der Arbeitsmarktlage ab.

Der Tankan-Bericht der Zentralbank habe zwar in einigen Bereichen Verbesserungen festgestellt.Eine dauerhafte Erholung zeige er aber nicht auf, meint auch Robert Feldman, Chefökonom beim Brokerhaus Morgan Stanley Japan in Tokio.Und bei Paribas Capital heißt es: Von einem Verlassen der Talsohle zu sprechen, sei angesichts der weiter schwachen Nachfrage noch zu früh.Solange die Unternehmen ihre Investitionen nicht aufstockten, werde der Konsum und damit auch die Konjunktur nicht anziehen, kommentieren die Ökonomen von der First Chicago Bank in Tokio.Laut Tankan wollen große Industriebetriebe ihre Investitionen im neuen Geschäftsjahr erneut um 9,5 Prozent kappen.Auch klagen inzwischen deutlich mehr Firmen über zuviel Mitarbeiter.Unter diesen Bedingungen werde der Deflationsdruck auf die Wirtschaft wieder zunehmen, sobald die Konjunkturprogramme der Regierung verbraucht seien, warnt Susumu Takahashi vom Japan Research Institute.

Doch es gibt auch einige Optimisten unter den Analysten.Richard Werner, Chefökonom beim Finanzforschungsinstitut Profit Research Center, verweist auf die deutlich verbesserte Lage der kleinen und mittelständischen Unternehmen, die schließlich die Mehrzahl aller japanischen Firmen ausmachten und auf die etwa 70 Prozent der Beschäftigten entfielen.Die im letzten Jahr auf Hochtouren gebrachte Geldpresse der Notenbank zeige nun Wirkung: Die Kreditschöpfung der Banken steige, wodurch die kleineren Firmen nach Jahren des Kreditmangels langsam wieder expandierten und auch wieder Beschäftigte einstellen könnten, meint Werner.

"Wenn Konzerne wie Sony, NEC und Mitsubishi Electric in großem Stil umstrukturieren und Mitarbeiter entlassen,macht das natürlich Schlagzeilen.Wirklich wichtig aber ist, was mit der Mehrheit der unbekannten kleineren Firmen passiert", sagt der Ökonom.Als Indiz für deren bessere Lage führt er die Entwicklung am OTC-Aktienmarkt in Tokio an, wo die kleinen und mittelständischen Firmen gehandelt werden.Der Nikkei-OTC-Index habe seit Oktober um rund 60 Prozent zugelegt und steige täglich weiter.

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