Wirtschaft : „Es war nicht viel Eis da“

Die Kapitäne Valeriy Durov und Aleksandar Antonov über ihre Erlebnisse

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Foto: promo

Herr Durov, Herr Antonov, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch, obwohl die Welt wegen des Klimawandels mit gemischten Gefühlen auf Sie schaut. Was für ein Gefühl war es für Sie als erfahrene Seeleute, Pioniere zu sein?

Durov: Soweit ich weiß, waren die ersten Handelsschiffer dort vor 300 Jahren. Doch ich bin froh, dass ich die Chance hatte, die legendäre Passage zu durchqueren. Meine Träume wurden wahr.

Antonov: Ehrlich gesagt, als Seemann ist es für mich immer ein normaler Job, Fracht ans Ziel zu bringen.

Haben Sie in Novyy Port gefeiert? Gab es Champagner oder Wodka?

Durov: In Jamburg wartete ein sehr harter Job. Wir mussten schwere Teile auf See auf Kähne hieven. Das erfordert hohe Konzentration, da war wirklich keine Zeit zum Feiern. Das machen wir am Ziel.

Antonov: Wir haben nur ein Schlückchen getrunken, als wir Jamburg verließen.

Wie kalt war es denn? Auf einem Foto trägt der dritte Offizier Gladchenko weder Handschuhe noch Mütze.

Durov: Es war fünf bis zehn Grad, wir brauchten Winterkleidung.

Antonov: Es war kalt. Aber für das Foto war er nur kurz draußen.

Was war das Beeindruckendste der Reise?

Durov: Für mich war es ein normaler Job.

Antonov: Es war schön, die kleinen Eisfelder und kleinen Eisberge zu sehen, aber oft war es sehr neblig und wir konnten keine schöne Umgebung sehen.

Was war die größte Herausforderung?

Durov: Ich bin stolz, dass ich diese Passage durchquert habe. Die größte Herausforderung war, als wir die schwere Fracht in Novyy Port entladen mussten und wegen schlechten Wetters zwei Tage warten mussten, um das zu beenden.

Antonov: Die Wartezeit in Wladiwostock zu überstehen. Wir wussten nicht, wie lange wir warten müssen.

Was war das größte Problem?

Durov: Glücklicherweise hatten wir kein Problem.

Antonov: Alles war gut geplant, wir waren gut vorbereitet, und weil dort nur sehr wenig Eis war, ging alles gut.

Welche Tiere haben Sie gesehen? Eisbären oder gar Papageientaucher?

Durov: Wir haben nur Möwen und Walrösser gesehen.

Antonov: In der Beringstraße haben wir den Schwanz eines kleinen Wals gesehen, glaube ich. Ansonsten waren nur Möwen und andere Vögel dort. Leider keine Eisbären ...

Kapitän Durov, vor 20 Jahren blieben zwei Ihrer vier Schiffe stecken und sanken. Was hat sich verändert?

Durov: Damals war es sehr schwierig. Aber inzwischen ist das meiste Eis verschwunden. Das ist wirklich anders.

Antonov: Selbst der Eisbrecher „Chelyuskin” ist dort gesunken. Für Handelsschiffe ist das gefährlich. Neben dem Eis ist es neues Terrain und eine spezielle Gegend. Aber 2009 ist da so wenig Eis, dass ich denke, es gab keine echte Gefahr, steckenzubleiben.

Sind Sie enttäuscht, dass kaum noch Eis dort ist oder sind Sie froh darüber?

Durov: Das ist eine große Chance für alle Reedereien, die Nordostpassage zu nutzen. Sie ist viel kürzer als die südlichen.

Antonov: Da gibt es nichts, um froh oder traurig zu sein, es ist eben so, wie es ist.

Für die Schifffahrt ist es leichter. Aber was haben Sie mit Blick auf den Klimawandel gedacht, als Sie praktisch eisfrei fuhren?

Durov: Das Klima verändert sich, das ist richtig. Aber der Grund dafür ist das Handeln aller Menschen.

Antonov: Es scheint, dass die weltweite Erwärmung die Passage geöffnet hat, die wir nun nutzen können, um Zeit und Treibstoff zu sparen, weil sie kürzer ist. Persönlich denke ich, dass wir vorsichtig mit unserem Planeten und unserer Umwelt umgehen müssen, nicht nur in Bezug auf die Nordostpassage und das Schmelzen des Eises.

Was haben die beiden Eisbrecher getan?

Durov: In den Eisgebieten sind wir Konvoi gefahren. Aber es war nicht viel Eis da, das wirklich zu brechen war.

Antonov: Wenn kein Eis da war, haben sie uns das TV-Programm übertragen.

Was heißt das für die Schifffahrt?

Durov: Ich denke, diese Passage ist die Zukunft, wir werden sie weiter nutzen.

Antonov: Die Route wird nie ganz eisfrei sein, aber vielleicht wird die Arktis-Abkürzung jetzt im Sommer genutzt.

An einem Tag waren 25 Grad. Selbst wenn das ungewöhnlich ist, rechnen Sie dort bald mit Kreuzfahrtschiffen?

Durov: Heute sind einige Tage mit mehr als 25 Grad in russischen Sommern normal. Es mag sein, dass Kreuzfahrtschiffe die Route ausprobieren wollen, aber sie brauchen immer noch Eisbrecher.

Das Interview führte Ingrid Müller.

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