Wirtschaft : EU: Die USA müssen Energie sparen

Total und BP senken Benzinpreise in Frankreich

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Brüssel/Berlin Die wirtschaftlichen Folgen des Hurrikans „Katrina“ und der steigenden Ölpreise werden, so fürchten Europas Finanzminister, vor allem die Europäer tragen. Am Freitag sind die EU-Finanzminister in Manchester zusammengekommen, um zu beraten, wie die Situation entschärft werden kann. An die USA soll ein Appell gehen, den Energieverbrauch zu senken. „Europas Wirtschaft trägt das größte Risiko, das aus der Verdoppelung des Ölpreises und der neuen Verunsicherung der Weltwirtschaft erwächst,“ sagte der Gastgeber des Treffens, der britische Finanzminister Gordon Brown. Die Naturkatastrophe im Süden der USA werfe alle Konjunkturprognosen über den Haufen. Von den 1,6 Prozent Wirtschaftswachstum in der EU, das bisher erwartet worden war, könne jetzt nicht mehr die Rede sein. Europa könne allenfalls auf 1,2 Prozent hoffen.

„Ein Ölpreis über 60 Dollar wirkt sich auf die Konjunktur wie ein Bremsfallschirm aus“, sagte der österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Als preistreibend haben die EU-Finanzminister in erster Linie die viel zu geringen Kapazitäten der Raffinerien ausgemacht. Sie fordern die Ölindustrie nachdrücklich auf, die überfälligen Investitionen vorzunehmen, um künftig Engpässe zu vermeiden. Außerdem müsse man die weltweit knapper werdende Energie besser nutzen und noch mehr sparen. Die Europäer werden deshalb beim G-7-Treffen an den größten Energieverbraucher der Welt, die USA, appellieren, für mehr Energieeffizienz zu sorgen. Wenn es den Amerikanern gelinge, auf den gleichen Stand der effizienten Energienutzung zu kommen wie derzeit schon die Europäer, dann könnten jeden Tag acht Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) Öl eingespart werden, sagte Minister Grasser.

Eine Senkung der Benzin- und Energiesteuern hält der große Teil der EU-Finanzminister dagegen für verfehlt. Dies würde nämlich den Druck auf Öffentlichkeit und Wirtschaft verringern, Energie zu sparen und neue effektivere Geräte zu entwickeln. Auf Druck der französischen Regierung haben jedoch die Ölkonzerne Total und BP eine Senkung der Benzinpreise beschlossen. Von diesem Sonnabend an werde bleifreies Benzin um drei Cents und Dieselkraftstoff um zwei Cents preiswerter, teilten die Konzerne am Freitag in Paris mit. Frankreichs Wirtschaftsminister Thierry Breton hatte den Firmen angesichts ihrer steigenden Gewinne mit einer Sondersteuer gedroht, falls sie sich nicht „bürgerfreundlich“ verhielten.

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, sind die Kosten für Kauf und Unterhalt eines Autos in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt – und zwar um 7,7 Prozent im Vergleich zu rund vier Prozent. Besonders die höheren Treibstoffpreise waren dafür verantwortlich.

Die Situation an den Rohölmärkten hat sich zuletzt etwas beruhigt. Am Freitag pendelte der Preis für ein Barrel in New York um die Marke von 65 Dollar. Auch an den deutschen Tankstellen fielen die Preise. Im Bundesschnitt kostete ein Liter Super bei den Markenanbietern 1,36 Euro – zehn Cent weniger als vergangene Woche. Trotzdem bewegen sich die Treibstoff- und Ölpreise damit immer noch auf sehr hohem Niveau.

Das wirkt sich mittlerweile auf die Nachfrage aus. Die Internationale Energieagentur (IEA) senkte in ihrem neuesten Monatsbericht die Prognose für das Verbrauchswachstum um rund ein Sechstel. Sie rechnet jetzt damit, dass die Nachfrage nach Öl im Schnitt um 1,35 Millionen Barrel pro Tag zunehmen wird. Vor allem in China und anderen Regionen Asiens sei der Energiehunger zurückgegangen. Damit würde der durchschnittliche Tagesbedarf in diesem Jahr bei rund 83,5 Millionen Barrel liegen, für 2006 rechnet die IEA mit 85,25 Millionen Barrel. Derzeit liegt die weltweite Förderung bei 84,9 Millionen Barrel, wobei die IEA bei den Mitgliedern der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) noch freie Kapazitäten von fast zwei Millionen Barrel sieht. tog/hop

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