EU-Fangquoten : Hilfe für Kabeljau

Die EU-Agrarminister wollen den Kabeljau in der Nordsee retten. Sie verordnen den Fischern deshalb geringere Fangmengen und weniger Tage, an denen sie ihrem Handwerk nachgehen dürfen.

Hamburg/Kiel/Brüssel - Trotzdem könnte es am Ende nur Verlierer geben: Die wenigen noch verbliebenen deutschen Hochseefischer, weil sie um ihre Existenz kämpfen müssen, wie die Erzeugergemeinschaft in Cuxhaven befürchtet. Und der letzte Kabeljau, weil die Reduzierung der Fangmenge am Ende nicht ausreichen könnte, die Bestände des beliebten Speisefisches in der Nordsee vor dem Zusammenbruch zu bewahren, wie Wissenschaftler befürchten.

Scharfe Kritik an den Brüsseler Beschlüssen kommt von Kai Arne Schmidt, dem Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Hoch- und Kutterfischer in Cuxhaven: "Die Reduzierung der Seetage für Kabeljaufischer von 103 auf 91 ist existenzbedrohend." Zumal sich die alte Regelung nur auf EU-Gewässer bezogen habe und die Fischer darüber hinaus vor Norwegen Kabeljau fangen durften. Jetzt ist nach 91 Tagen komplett Schluss. Schmidt lobte die Bundesregierung aber dennoch, weil sie immerhin erreicht habe, dass die betroffenen Fischer anschließend mit einem Kontrolleur an Bord auf Seelachsfang gehen dürfen. "Dafür sind wir dankbar."

Wissenschaftler: Quotenreduzierung zu gering

Die EU-Agrarminister hatten in der Nacht zum Donnerstag in Brüssel beschlossen, die Fangquoten für Kabeljau zwischen 14 und 20 Prozent und die Zahl der Seetage für Fischer je nach Fanggebiet unterschiedlich stark zu verringern. Die Fangquoten legen das maximale Gesamtgewicht der Fänge fest. Seetage begrenzen die Fangdauer, schließen aber auch die Fahrten zu den Fischgründen und zurück in die Häfen mit ein.

Der Kieler Meeresbiologe Rainer Froese gehört zu den entschiedenen Kritikern der EU-Fischereipolitik: "Das ist viel zu wenig", kommentierte er die Quotenreduzierung beim Kabeljau. Seit fünf Jahren hätten Wissenschaftler empfohlen, die Fischerei zu unterbrechen. "Die Politik ignoriert das seit fünf Jahren." Die Fangquote sei noch immer höher als die Menge, die überhaupt gefangen werden könne. "Das ist ein Rezept, um den Kabeljau zum Zusammenbruch zu treiben", sagte der Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften.

Auch Siegfried Ehrlich von der Hamburger Bundesforschungsanstalt für Fischerei kritisiert, dass die Beschlüsse der Politiker hinter den Empfehlungen der Wissenschaftler zurückbleiben. Damit würden die Ziele des Wiederaufbauplanes für den Kabeljau nicht erreicht. "Das entspricht nicht den Anforderungen, die wir als Wissenschaftler stellen." Die EU-Kommission habe eine 25-prozentige Reduzierung der Fangmenge gefordert. "Der Rat muss aber immer einen Kompromiss finden", sagt der Kommissarische Leiter des Instituts für Seefischerei. Nach Ehrichs Ansicht sind Seetage die effektivere Stellschraube als Fangmengen.

"Schmerzhafte Beschränkungen für Fischer"

Der Deutsche Fischerei-Verband sieht in den Beschlüssen zur Bestandsschonung "schmerzhafte Beschränkungen für Fischer". Der Kabeljau in der südlichen Nordsee sei seit drei Jahren auf konstant niedrigem Niveau, teilte Generalsekretär Peter Breckling mit. Dafür wachsen die Bestände vor Grönland rapide an. "Katastrophenmeldungen über aussterbende Fischbestände und leergefischte Meere sind nicht angebracht." Die Bestände von Krabben, Seelachs, Steinbutt, Flunder, Schellfisch und nördlichem Seehecht seien in guter Verfassung. Ob der Kabeljau in der Nordsee überhaupt wieder auf das alte Niveau kommen könne, sei umstritten, sagte er. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel habe auf die Wirkung des Klimawandels hingewiesen. Mit drei Prozent der EU-Flotte und neun Prozent der Quoten könne die deutsche Fischerei aber "auf niedrigem Niveau auskömmlich wirtschaften", betonte Breckling.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erneuerte ihre Forderung nach großflächigen Schutzgebieten, in denen nicht gefischt werden dürfe. "Die EU ist momentan gar nicht fähig, die Meere ausreichend zu schützen", sagte der Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. (Von Sönke Möhl, dpa)

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